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Das Rollenspiel

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1 Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 1:26 pm


Lux hockt in der Ecke, zieht die Beine eng an den Körper und schlingt die Arme darum. Sie legt den Kopf auf ihre Knie und schmollt. Der Boss hat sie vor allen anderen Mitarbeitern getadelt, das muss man sich vorstellen! Er, der nie über einen mittelmäßigen Fotografen hinauskommen wird, von Kunst keine Ahnung hat und überhaupt nichts weiter ist als ein simpler Mensch! So einer erlaubt sich einen Kommentar über sie, die Halbdämonin (gut, das weiß er nicht) und über ihre fotografischen Kunstwerke? Dass die einzigartig sind, das sollte er aber wissen! Lux hat sagenhafte Fotos hinbekommen, spektakuläre Nahaufnahmen von Flammen. Sie kann eben viel näher an ein Feuer herangehen als jeder normale Mensch. Aber der Chef hat ihre Leistung nicht gewürdigt, sondern ihr unterstellt, die Bilder gefälscht zu haben, mit irgendwelchen Computertricks. Darüber kann sie ja nur lachen! Wie soll man bitteschön so etwas hinkriegen, mit den äußerst bescheidenen technischen Mitteln der Menschen? Überhaupt ist dieser ganze Laden hier so miserabel ausgestattet, es macht echt keinen Spaß, hier zu arbeiten.

Ja, als sie noch bei Zanrelot angestellt war, das war etwas anderes! Mit einer magischen Kamera kann man eben ganz andere Sachen machen als mit diesem Spielzeug hier. Das war künstlerische Arbeit, die echt was bewirkt hat! Zum Beispiel, dass eine ganze Stadt ihr Lachen verlor. Beinahe hätten sie auch noch das Finale hingekriegt, das große Erdbeben, wenn diese dummen Gören nicht dazwischen gefunkt hätten. Banausen eben, genau wie ihr neuer Chef. Es hätte so ein Event werden sollen! Sie hatte im Kopf schon Plakate entworfen: "Lübeck bebt". Oder doch mit ein paar Zusatzeffekten von ihr, als Überraschungsgeschenk für Zanrelot: "Lübeck in Flammen"? Aber ihr ganzer Traum wurde zunichte gemacht; diese vier kleinen Ratten schickten sie unverrichteter Dinge postwendend in die Unterwelt zurück, wo sie nun Zanrelot natürlich nichts Rechtes zu bieten hatte.

Er hat sie nicht bestraft. Das wäre ja noch erträglich gewesen. Nein, er war einfach nur enttäuscht, vollkommen resigniert, - und dieser Blick, das war das Schlimmste, was ihr passieren konnte! Sie ist davor weggelaufen. Er musste ihr nicht kündigen, vielleicht hätte er es nicht einmal getan. Aber sie hat es nicht ausgehalten.

Im Nachhinein ärgert sie sich über sich selbst. Wieder einmal hat sie spontan überreagiert und sich selbst in die Klemme manövriert. Denn nun sitzt sie hier fest, in der Welt der Menschen, in diesem mittelmäßigen Fotoshop. Sie vergeudet ihr Talent an einen Boss, der diesen Namen nicht verdient und verkümmert langsam, aber sicher. Und dafür nun noch dieser Undank!

Sie schaut sich um. Es ist Nacht, sie ist allein im dunklen Laden. Nur von draußen scheint das Licht der Straßenlaterne hinein. Im Dämmerlicht betrachtet sie die herumstehenden Apparate. Wie stolz diese Leute darauf sind, auf dieses zweitklassige, technische Gerümpel! Wie sehr das alles Lux anwidert, die minderwertigen Geräte, die minderbemittelten Menschen!

Langsam steht sie auf. Wieder einmal hat sie einen spontanen Entschluss gefasst, und diesmal soll er sie den umgekehrten Weg führen: raus aus dem Schlamassel, zurück in die Welt, wo sie hingehört! In die Unterwelt, zu ihresgleichen. Zu Zanrelot! Sie wird ihn fragen, ob er sie wieder aufnimmt. Doch vorher hat sie noch etwas zu erledigen. "Lübeck in Flammen" hat man ihr vermasselt, aber ein letztes, kleines Kunstwerk muss sein. Sie erhebt die Hände und konzentriert sich, bis das Feuer in ihren Augen zu leuchten beginnt. Dann spricht sie gebieterisch:
"Tibi supplico, Isis! Mihi veniat Ignis!"
Nachdem sie auf diese Weise die Alte Herrin der Magie, Isis, beschworen und das Feuer herbeigerufen hat, lenkt sie durch einen gezielten Zauberspruch das Verderben auf sein konkretes Ziel:
"Zische, züngle und der Plunder
brennen soll wie trockner Zunder!"

Während der kleine Fotoladen hinter ihr in lodernde Flammen aufgeht, schreitet Lux durch die Straßen von Lübeck davon und dreht sich nicht noch einmal um. Dieses Kapitel ihres Lebens ist endgültig abgeschlossen. Sie hört noch das Heulen der Feuerwehrautos hinter sich, als sie zu dem alten Brunnen geht, und sie weiß, dass deren Einsatz sinnlos sein wird. Morgen wird wieder etwas von einem unbekannten Brennstoff in der Zeitung zu lesen sein, der sich nicht bekämpfen ließ. Die Flammen werden erst erlöschen, wenn dieser Laden in Schutt und Asche gelegt ist. Wunderbarer Weise werden sie auf kein anderes Gebäude übergreifen, nicht ein einziger Funke wird überspringen. Das Feuer wird von selbst verglimmen, sobald sein Werk getan ist. Und wieder einmal wird der Ladeninhaber ein wahres Kunstwerk nicht zu schätzen wissen.

Lux lässt sich durch den Brunnen hinab in die Unterwelt. Sie ist fest entschlossen, alles zu tun, damit Zanrelot sie zurücknimmt. Denn er ist ihr Leben, das hat sie endgültig erkannt. Sie wird sich, bei all ihrem Stolz, nicht einmal zu schade sein, sich vor ihm in den Staub zu werfen, wenn nötig. Immerhin war es ihr Fehler, dass sie gegangen ist, nicht seiner. Sie will diese zweite Chance, und er kann sich ihrer ewigen Dankbarkeit sicher sein!

Doch die Welt, die ihr einst so vertraut war, wirkt seltsam fremd. Die Gänge sind so leer, wie tot! Kein einziger der Zanreloten begegnet ihr, die Beleuchtung ist auch ausgefallen, so dass sie sich mit Feuer den Weg erhellen muss. Die Spinnweben, die hier schon immer zahlreich waren, sind beinahe undurchdringlich geworden. Unheimlich hallt ihre Stimme, als sie nach dem Meister und nach Matreus ruft. Keine Antwort, außer ihrem eigenen Echo. Ihr Herz beginnt zu rasen. In Panik rennt sie die verwinkelten Gänge entlang, bis sie die Zentrale erreicht. Sie reißt die Tür auf - und steht in einem leeren Raum!

Da ist nichts mehr, außer dem völlig verstaubten Modell von Lübeck. Das ganze Computerterminal ist weg, das Auge der Welt, der Eiswürfelautomat, einfach alles! Was ist hier nur vorgefallen? Hat man den Herrn der Unterwelt und alle seine Diener - umgebracht? Sein Reich geschändet, seine Schätze geraubt? Lux bricht verzweifelt schluchzend zusammen. Sie wird sich in alle Ewigkeit niemals verzeihen, dass sie nicht hier war, als es geschah! Dass sie es nicht verhindert hat, dass sie es nicht einmal mitgekriegt hat. All diese Zeit die sie sinnlos da oben vergeudet hat und jede Nacht nur von ihrem wahren Herrn geträumt hat, während er schon nicht mehr existierte! Sie wünscht sich in diesem Moment nichts so sehr wie Sterblichkeit, als eine Hoffnung, diese Trauer je wieder loszuwerden.

Sie schreit ihren unaussprechlichen Kummer hinaus und hört ihn schaurig von den Wänden widerhallen. Kauert sich ganz klein auf dem Boden zusammen, mit zuckenden Schultern. Doch plötzlich ist ihr, als wenn sie eine Stimme hört, ganz leise, wie von weit her und doch ganz nah... "Ich lebe! Der Meister lebt!" War das nur Einbildung? War das denn nicht Matreus' Stimme? Doch es ist weit und breit niemand zu sehen, sie ist allein. Die Stimme kehrt nicht wieder. Und doch... sie glaubt die Präsenz eines anderen Wesen zu spüren. "Matreus?" flüstert sie unter Tränen, "Matreus, wenn du da bist,... wenn du irgendwo bist, vielleicht in einer anderen Dimension... Sprich zu mir bitte! Versuch es! Ich habe dich wahrgenommen, du bist nicht verloren! Hilf mir, damit ich euch helfen kann!"

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2 Re: Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 1:28 pm

Matreus befindet sich in absoluter Dunkelheit. Es gibt nichts hier außer undurchdringlicher Finsternis. Hier befindet sich niemand außer ihm und Matreus erträgt die Einsamkeit kaum noch. Als er von Zanrelot hierher verbannt wurde, war er sicher, dass sein Meister ihm nach einer angemessenen Zeit vergeben und ihn wieder erlösen würde. Das tat er schließlich immer. Doch mit jedem Tag, den er hier verbringt, werden Matreus’ Hoffnungen geringer. Wie lange sitzt er denn bereits hier? Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Warum lässt sein Meister ihn so lange hier schmoren?

Matreus steht auf und läuft ein paar Schritte, bis er an den Widerstand stößt, der seine Beweglichkeit so empfindlich einschränkt. Gerade einmal fünf Schritte in jede Richtung kann er tun, bevor er gegen die unsichtbare Mauer prallt. Er lässt sich mutlos wieder zu Boden sinken und lässt betrübt den Kopf hängen. Bestimmt hat sein Meister ihn vergessen, jetzt, wo Jona wieder an seiner Seite ist. Oder Jona beeinflusst ihn, die Strafe aufrecht zu erhalten, um Matreus nicht als Konkurrenten an seiner Seite zu haben. Jona, dieser Verräter, dieser Schleimer. Matreus wird übel, wenn er nur an seinen Cousin denkt.

Dunkelheit und Einsamkeit werden mit jedem Tag, der verstreicht, immer erdrückender und Matreus wird immer verzweifelter. Irgendwann hält er es nicht mehr aus und fleht: „Meister, bitte verzeiht mir doch endlich! Seid doch nicht so nachtragend! Ich tue alles, was Ihr von mir verlangt, aber holt mich bitte endlich hier raus!“

Matreus’ Flehen wird nicht erhört, keine Erlösung befreit ihn aus Dunkelheit und Einsamkeit. Resigniert sinkt er in sich zusammen, er wird sich mit seinem Schicksal abfinden müssen. Ein Schicksal, das er bis ans Ende seiner Tage wird ertragen müssen. Es gab eine Zeit, da fand er es großartig, unsterblich zu sein. Jetzt wünscht er sich nichts sehnlicher, als eines Tages seinen letzten Atemzug zu tun und all das hier hinter sich lassen zu können. Ein verzweifelter Mensch kann seinem Leben selbst ein Ende setzen, aber nicht einmal das ist ihm vergönnt.

Matreus will gerade tief in Selbstmitleid versinken, als er plötzlich aufhorcht. Täuschen ihn seine Sinne oder hat er eben tatsächlich eine Stimme seinen Namen rufen gehört? Hat sich der Meister endlich doch noch dazu durchringen können, ihm endlich zu verzeihen? Matreus lauscht angestrengt und wieder hört er die Stimme seinen Namen rufen. Doch statt Freude empfindet er im ersten Moment nichts als Enttäuschung, denn es ist nicht die Stimme seines Meisters, sondern die einer Frau, die auch nach Zanrelot ruft. Doch die Stimme löst Erinnerungen in ihm aus, er kennt sie. Und schließlich weiß er auch, wer da ruft. Es ist Lux, die Fotografin. Matreus hört sie kummervoll schreien. Er spürt ihre unendliche Traurigkeit und hört schließlich sogar ihr Flüstern, mit dem sie ihm mitteilt, dass sie ihn wahrgenommen hat und ihn beschwört, mit ihr zu sprechen, damit sie helfen kann.

Matreus springt aufgeregt auf die Füße. Sie muss in Lübeck sein, in der Zentrale, und sie kann gar nicht wissen, dass Zanrelot inzwischen in Hamburg ist. Hoffnung keimt in Matreus auf, wenn es ihm gelingt, Lux mitzuteilen, wo sie Zanrelot findet, kann sie vielleicht ein gutes Wort beim Meister für ihn einlegen, sie haben sich schließlich damals ziemlich gut verstanden.

Matreus sammelt sich und konzentriert sich so fest er kann auf Lux. „Ich kann dich hören, Lux. Du musst nach Hamburg gehen. Dort ist die neue Zentrale, direkt unter der Alster. Dort wirst du den Meister finden. Kannst du mich hören, Lux? Hast du mich verstanden?“

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3 Re: Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 1:30 pm


Lux will die Hoffnung schon fast aufgeben, denn sie hört die leise Stimme kein zweites Mal. Sicher hat ihre verzweifelte Hoffnung ihr nur etwas vorgegaukelt. Wie grausam! Trostlos blickt sie in der verwaisten Zentrale umher und beginnt zu begreifen, dass ihr Leben keinen Sinn, kein Ziel mehr hat, außer, die Schuldigen zu suchen und den Tod ihres Meisters zu rächen. Sie ist sich bewusst, dass auch das ihr höchstens Befriedigung, niemals aber mehr Glück geben kann. Und noch hat sie keine Kraft für ihren letzten Auftrag. Sie wird hier bleiben und um Zanrelot trauern, bis der Zorn ihr neue Kraft verleiht. Lux, die Halbdämonin, die Halbmenschliche, mit ihren Gefühlen und ihrem Lachen, wird ewig Vergangenheit sein. Es werden nur Gram und Hass und Vernichtung bleiben. Ihr Feuer wird die Mörder verbrennen, doch sie selbst wird nie mehr glühen, sie ist ausgebrannt, ihr Inneres kalte Asche. Unsterblich, aber toter als tot.

Es ist vorbei. Es gibt keine Hoffnung mehr. Wie soll man das begreifen? ... Doch was ist das? Hört sie nicht wieder etwas, wie von weither? Sie will es nicht hören, nicht noch einmal dem höhnischen Trugbild erliegen! Und doch, ist da nicht etwas? "Matreus?" Ja, sie hört ihn! So deutlich, das kann keine Einbildung sein! Und er hört sie! Das sagt er. Und dass sie nach Hamburg gehen soll, in die neue Zentrale des Meisters, unter der Alster. Und wenn es doch wahr ist? Tränen schießen ihr in die Augen. "Matreus! Ja, ich höre dich! Ich habe jedes Wort verstanden! Geh nicht weg, bitte, Matreus, wo immer du bist, geh nicht weg! Sprich zu mir! Ist es denn wahr? Der Meister lebt?"

Die Gedanken rasen kreuz und quer durch ihren Kopf. Matreus, wo ist er? Seine Stimme klingt so nah und fern zugleich, dass er in einer anderen Dimension sein muss. Doch was tut er da? Warum ist er nicht in Hamburg, bei Zanrelot? Er war doch immer an seiner Seite, sein engster Vertrauter, der Treueste der Treuen! Er kann ihn doch nicht verlassen haben, nicht er! Sie selbst, zu ihrer Schande, ist gegangen, - aber Matreus?

Und was, bei allen Teufeln, hat Zanrelot eigentlich in Hamburg zu suchen? Er gehört doch hierher, in seine Stadt! Es kann nicht gut für ihn sein, den Ort zu wechseln! Wie konnte das geschehen?

"Matreus!" ruft Lux, "wo bist du? Warum bist du nicht beim Meister? Und warum ist er in Hamburg? Was tut er? Ich werde zu ihm eilen, ich verspreche es dir! Aber ich verstehe das alles nicht! Sprich zu mir!" Sie senkt den Kopf und flüstert: "Nur geh nicht weg, Matreus, geh nicht weg! Ich bin so allein hier, so allein..."

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4 Re: Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 1:32 pm

Matreus ist sekundenlang sprachlos vor Erleichterung, als er Lux’ Stimme erneut hört. Dann reißt er sich zusammen und antwortet, auf Ihre Bitte, nicht wegzugehen: „Keine Sorge, Lux, ich bleibe, wo ich bin.“ Ein leicht bitterer Unterton stiehlt sich in seine Stimme. „Ich kann gar nicht weggehen, ich bin dazu verdammt, genau da zu bleiben, wo ich bin.“

Matreus seufzt leise, als er spürt, wie besorgt Lux um Zanrelot ist. „Ja, er lebt“, versichert er ihr schließlich. Lux will es aber ganz genau wissen und feuert eine Frage nach der anderen auf ihn ab, dass ihm fast der Kopf schwirrt. „Langsam, langsam“, ruft er aus. „Ich habe seit einer halben Ewigkeit kein einziges Wort mehr gehört, so schnell kann ich dir gar nicht folgen.“ Nachdem er sich sortiert hat, beginnt er, die Fragen so gut wie möglich zu beantworten. „Wo ich bin, weiß nur Zanrelot. Er hat mich verstoßen und mit einem Fluch belegt“, sagt er traurig. „Ich kann also gar nicht weggehen, mir bleibt nur ein Radius von fünf Schritten, auf denen ich mich bewegen kann und ich bin garantiert noch einsamer als du. Hier ist nur absolute Finsternis und außer mir gibt es hier niemanden.“ Matreus überlegt, was er ihr über die Gründe sagen soll, warum Zanrelot nach Hamburg ging. Er könnte natürlich weit ausholen, aber das dauert ihm viel zu lang. Daher beschließt er, seinen Bericht auf das Wesentliche zu beschränken. „Der Meister ist nach Hamburg gezogen, um durch das Tor der Welt zu schreiten und die Macht über die ganze Welt zu übernehmen. Er müsste es eigentlich längst geschafft haben oder zumindest unmittelbar davor stehen. Bitte zögere nicht länger und eile nach Hamburg. Ich erkläre dir, wie du in die Zentrale kommst, hör gut zu.“

Matreus beschreibt Lux, wie sie zu dem Haus der neuen Wächter kommt und wo der Spiegel steht. „Es ist ganz einfach. Du musst nur unbemerkt in das Haus reinkommen, dich vor den Spiegel stellen und Abrakassima sagen. Dann wirst du direkt in die Zentrale befördert. Und nun weine nicht länger, du wirst den Meister bald wieder sehen.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt er zögernd: „Und es wäre sehr nett von dir, wenn du beim Meister ein gutes Wort für mich einlegen könntest, damit er mich hier wieder rausholt.“

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5 Re: Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 3:39 pm

Lux empfindet tiefes Mitleid mit Matreus, als er seine Situation schildert. Wie unvorstellbar schrecklich, auf so engem Raum eingesperrt zu sein, im puren Nichts, einsam und allein! Ihm geht es wahrlich schlechter als ihr. Sie hat schon von Dämonen gehört, die an solche Nicht-Orte verbannt wurden, manchmal für ganze Zeitalter, doch ihr selbst ist diese Erfahrung zum Glück bisher erspart geblieben und sie hofft, dass sich das niemals ändern wird. Was ihr aber an dem Ganzen am allerfurchtbarsten erscheint, ist die Vorstellung, von Zanrelot verstoßen zu sein. Insgeheim fragt sie sich, ob ihr das wohl auch geblüht hätte, wenn sie nicht weggerannt wäre. Sie hat dem Meister die Entscheidung ja abgenommen.

"Natürlich lege ich ein gutes Wort für dich ein", verspricht sie, "wir Unterweltler müssen doch zusammenhalten!" Doch dann kommt sie ins Grübeln: Eine so harte Strafe gegenüber einem Mitarbeiter ist eigentlich gar nicht Zanrelots Art. Er war gegenüber seinen Helfern, egal wie sehr sie ihn enttäuscht hatten, nie nachtragend. Was muss vorgefallen sein, damit er seinen engsten Vertrauten auf längere Zeit an einen solchen Ort verbannte?

"Matreus", setzt Lux nachdenklich an, "ich will mich nicht lange aufhalten, sondern den Meister suchen. Aber eins möchte ich doch gern wissen, bevor ich mich für dich ins Zeug lege: Was hast du getan, dass Zanrelot dich nicht mehr sehen will?"

Und noch etwas anderes bereitet ihr Sorge, je länger sie darüber nachdenkt: "Du sagst, der Meister wollte das Tor zur Welt durchschreiten? Und er müsste schon längst so weit sein? Matreus, nein, er kann es nicht durchschritten haben. Die Welt hat sich kein bisschen verändert. Die Menschen machen weiter wie zuvor. Oh, zur Hölle, da stimmt etwas nicht!"

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6 Re: Das Rollenspiel am Do Dez 11, 2008 9:42 pm

Matreus atmet erleichtert auf, als Lux ihm verspricht, ein gutes Wort bei Zanrelot für ihn einzulegen. Doch die Erleichterung hält nur kurz an, denn obwohl Lux beteuert, sich nicht lange aufhalten zu wollen, will sie vorher noch wissen, was Matreus getan hat, dass Zanrelot ihn nicht mehr sehen will. Mist. Wenn Lux hört, dass er die Wächter vor Zanrelot beschützt hat, wird sie sich garantiert nicht für ihn einsetzen, so fanatisch, wie sie an dem Meister hängt. Sie wird vielmehr finden, dass es ihm recht geschieht und vermutlich verschweigen, dass sie überhaupt Kontakt hatten. Aber sie erwartet eine Antwort und ihr diese zu verweigern, macht sie garantiert nur noch misstrauischer.

Matreus windet sich und druckst ein wenig herum. „Ach weißt du, wie soll ich sagen … ich hatte da gewisse Differenzen mit Jona. Du weißt ja, der kann doch tun was er will, sich sogar auf die Seite der Wächter stellen, Zanrelot verzeiht ihm alles. Und wer sich gegen seinen geliebten Sohn stellt, gerade weil der sich letztendlich doch dazu entschlossen hat, an der Seite seines Vaters zu bleiben ... ich glaube, ich muss nicht mehr dazu sagen.“ Matreus hofft, dass Lux es dabei bewenden lässt. Sollte Zanrelot ihr erklären, was genau vorgefallen ist, und dass diesmal er es war, der den Wächtern half, wird er wohl weiterhin verdammt sein, in dieser Hölle zu sitzen. Aber wenn Lux von sich aus entscheidet, Zanrelot gar nicht erst auf Matreus anzusprechen, hat er gleich gar keine Chance. Und noch will er nicht glauben, dass sein Meister ihn tatsächlich für alle Ewigkeiten aus seiner Nähe verbannen will.

Aber Lux beschäftigt noch etwas anderes, nämlich dass der Meister das Tor zur Welt noch gar nicht durchschritten haben kann, denn es hat sich nichts verändert in der Oberwelt. Sie meint, dass da etwas nicht stimmt und auch Matreus runzelt besorgt die Stirn. „Ich weiß zwar nicht genau, wie lange ich hier schon sitze, aber es ist in jedem Fall schon ziemlich lange. Du hast recht, er müsste längst die Weltherrschaft übernommen haben.“ Wenn das nicht genau das Richtige ist, um ihre Aufmerksamkeit ganz von Matreus weg und hin zu Zanrelot zu lenken. „Lux, du musst dich beeilen. Schließe alles Unwichtige aus deinen Gedanken aus und konzentriere dich ganz darauf, den Meister zu finden. Halte dich nicht mit Fragen auf, die auch später noch eine Antwort finden können. Wenn der Meister Hilfe braucht, solltest du nicht zögern, ihm diese so schnell wie möglich zuteilwerden zu lassen. Los, von Lübeck nach Hamburg ist es nicht weit, du kannst dein Ziel in ein bis zwei Stunden erreicht haben. Und bitte melde dich sofort bei mir, wenn du ihn gefunden hast. Ich mache mir auch Sorgen.“

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7 Re: Das Rollenspiel am Fr Dez 12, 2008 1:33 pm



Lux findet es verwirrend und auch alarmierend, was Matreus zu berichten hat. Er hatte Differenzen mit Jona? Nun gut, das kann sie nachvollziehen. Sie hält selbst nicht allzuviel von diesem unsolidarischen Taugenichts. Doch solche Dinge denkt sie sich nur im Stillen, sie würde sie nie vor Zanrelot aussprechen. Nicht aus Feigheit, sondern weil sie weiß, dass es ihm wehtun würde. Er hängt nun einmal verzweifelt an seinem Sohn. Trotzdem, jemanden auf so lange Zeit ins Nichts zu verbannen, nur weil er vielleicht etwas gegen Jona gesagt hat, das passt überhaupt nicht zum Meister.

Was sie jedoch am meisten irritiert und beunruhigt, ist die Aussage, Jona habe sich auf die Seite seines Vaters geschlagen. Liebe macht blind, Zanrelot dürfte selig sein, den verlorenen Sohn endlich wiedergewonnen zu haben. Aber Lux ist nicht blind! Für sie ist Jona ein Verräter, eine Gefahr, ein nicht berechenbarer Faktor. Jona an Zanrelots Seite? Eine tickende Zeitbombe! Zumal Matreus nicht dabei ist, um aufzupassen.

Matreus drängt zum Aufbruch, und die neuen Informationen verleihen ihr ohnehin Flügel. "Ich werde mich sofort auf den Weg machen und nach dem Rechten sehen. Jemand muss diesem Jona auf die Finger schauen! Ich werde auch alles daran setzen, dass du zurückkehren kannst, um mir dabei zu helfen." Sie schweigt kurz und fügt dann leise hinzu: "Wenn es nur noch nicht zu spät ist! Ich spüre so gar nichts von der Präsenz des Meisters, und Hamburg ist doch keine Entfernung für einen Dämon. Da war immer irgendetwas, nur ein Gefühl, wie ein wärmendes Feuer, wie wenn Zanrelot durch seine bloße Existenz etwas aussenden würde. Und nun ist da seit einer Weile nur noch... Funkstille. Matreus, ich hab solche Angst." Sie reißt sich zusammen und schreitet auf den Ausgang zu. "Also, Matreus", sagt sie zum Abschied, "in der Oberwelt wird es schwieriger bis unmöglich sein, mit dir Kontakt aufzunehmen. Du weißt ja, die Reizüberflutung. Ich sag schon mal 'tschüss' und melde mich wieder, sobald ich in der Hamburger Zentrale bin. Halt durch! Und da du eh nichts zu tun hast: Drück mir die Daumen, okay?"

Einmal zurück in der Oberwelt, lässt Lux keine weitere Sekunde verstreichen, sondern macht sich entschlossen auf den Weg. Sie stellt sich an die Straße nach Hamburg und reckt den Daumen hoch. Wer die ewige Jugend gepachtet hat und noch dazu weiblich ist, muss da nicht lange warten. Sehr bald stoppt ein Mann seinen Wagen am Straßenrand und lässt sie einsteigen. Nun bleibt nur zu hoffen, dass er keiner von der Sorte ist, die Anhalterinnen begrabschen wollen, - zu hoffen für ihn! Es sind schon Autos sehr plötzlich in Flammen aufgegangen.

Doch der Fahrer scheint ein anständiger Kerl zu sein. Er macht keine Anstalten, Lux zu nahe zu treten und bittet sie sogar in seinem eigenen Auto um Erlaubnis, sich eine Zigarette anzuzünden. "Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich rauche?" "Aber nein", antwortet Lux lächelnd, "Rauch hat mich noch nie gestört." "Danke", sagt er erfreut und kramt seine Glimmstengel aus der Jackentasche. Er streckt ihr die Schachtel hin: "Auch eine?" "Nein danke", lehnt sie freundlich ab, "sowas brauche ich nicht." "Sie sind Nichtraucherin?" "So würde ich es nicht gerade bezeichnen." "Hm..." Achselzuckend steckt der Mann die Zigaretten zurück in die Tasche, nachdem er sich eine herausgenommen und zwischen die Lippen geklemmt hat. Er kramt in der anderen Jackentasche. "Mist!" nuschelt er, dann nimmt er die schon etwas aufgeweichte Zigarette aus dem Mund. "Feuerzeug vergessen, na klasse. Hätten Sie vielleicht mal Feuer?" "Aber klar doch." Lux schnippt mit den Fingern und bringt ein kleines Flämmchen hervor. Der Fahrer, den Blick auf den Straßenverkehr gerichtet, schielt nur kurz zur Seite und zündet seine Zigarette an.

Die Fahrt nach Hamburg vergeht recht schnell und erscheint Lux doch wie eine Ewigkeit. Immerhin ist der Fahrer so zuvorkommend, sie direkt zu ihrem Ziel, Oberalster 7, zu chauffieren. Schließlich ist es noch Nacht und er möchte sie nicht allein im Dunkeln durch das "sündige" Hamburg laufen lassen. Für diesen Service bittet er nur um einen einzigen Gefallen: "Ich nehme kein Benzingeld von Ihnen, die Fahrt war viel angenehmer in Ihrer Gesellschaft. Aber da ich noch einen weiten Weg vor mir habe und nachts keinen offenen Laden finde: Würden Sie mir Ihr Feuerzeug überlassen?" Lux quetscht sich durch die Autotür ins Freie. "Welches Feuerzeug? Ich habe nie eins besessen." Mit offenem Mund schaut der Mann ihr nach, als sie in die dunkle Nacht hinaus verschwindet.

Lux hat sich auf das Grundstück geschlichen und umrundet das Haus, auf der Suche nach einer Einstiegsmöglichkeit. Mist, die neue Wächterbrut hat sich gut abgesichert. Alle Türen und Fenster sind geschlossen. Lux sucht sich ein unaufälliges Kellerfenster aus und richtet mit ihrer Handfläche einen kleinen, stetigen Feuerball auf den Riegel, bis das Metall schmilzt. Das ist viel zeitaufwändiger, als einfach eine Scheibe einzuschlagen, aber dafür lautlos.

Ihre Geduld wird endlich belohnt. Sie kann das Fenster öffnen ud einsteigen. Jetzt nur leise die Treppe hinauf und diesen Spiegel suchen. Alles ist still, kein Licht leuchtet im Haus, nirgendwo Musik oder ein Fernseher zu hören. Gut so! Sie scheinen alle zu schlafen. Ah, da ist der Spiegel! Nicht zu übersehen. Lux stellt sich davor, sichert noch einmal nach allen Seiten und spricht dann leise, aber deutlich: "Abrakassima!" Der wohlbekannte Tunnel in die Unterwelt saugt sie ein. Er ist hier nicht anders als in Lübeck, und ein vorübergehendes Glücksgefühl durchströmt Lux.

Doch umso größer ist ihr Entsetzen, als sie in der Unterwelt angelangt ist! Denn auch hier wirkt alles wie ausgestorben. Zwar ist die neue Zentrale nicht leer wie die alte. Aber auf allen Möbeln und Apparaten liegt eine dicke Staubschicht. Lux tritt ans Computerterminal. Das Auge der Welt, blind vor Staub! Auf dem Tisch ein halb leergetrunkenes Glas grünes Elixier, als wäre Zanrelot nur eben kurz weggegangen und müsste jeden Moment zurückkommen. Doch der dicke, graue Schleier, der auf der Oberfläche schwimmt, zeugt von etwas anderem.

Lux rennt los, irrt ziellos durch die leeren Gänge, muss sich durch Spinnweben schlagen wie durch ein Urwalddickicht. Schließlich stößt sie auf eine Tür, hinter der Stimmen murmeln. Sie stößt sie auf und sieht sich einer Ansammlung von Zanreloten gegeüber, die trübsinnig herumhängen. "Wo ist der Meister?" keucht sie. "Wir wissen es nicht", antwortet einer der Diener mit monotoner Stimme. "Ist er schon lange fort?" fragt sie verzweifelt. "Lange. Schon lange." Dieser ausdruckslose Ton und die teilnahmslosen Gesichter ringsum machen sie wahnsinnig. Sie schüttelt den Zanreloten, der ihr Auskunft gegeben hat. "Schon lange? Was hängt ihr dann untätig hier herum? Habt ihr denn nichts unternommen?" "Nichts", leiert der Angesprochene, "keine Befehle. Können nicht handeln." Diese stumpfsinnigen Biester! "So!" kreischt Lux, "dann gebe ich euch jetzt Befehle: Bewegt eure Hintern und macht euch auf die Suche nach dem Meister! Los!" Der Diener schüttelt langsam den Kopf. "Keine Befehle. Nur vom Meister und Matreus." Lux stößt einen deftigen Fluch aus. Es hat keinen Zweck, sich weiter mit diesen hirnlosen Robotern abzugeben. Sie verlässt den Raum und knallt die Tür hinter sich zu.

Wütend stapft sie zurück in die Zentrale. Doch als ihr Zorn verraucht ist und die Atmosphäre des verlassenen Raumes wieder auf sie wirkt, lässt sie mutlos den Kopf hängen. "Matreus!" schluchzt sie trostlos, "Matreus, kannst du mich hören? Ich bin in Hamburg, in der neuen Zentrale. Aber sie ist verlassen! Nicht leer, aber verlassen. Keine Spur vom Meister oder Jona. Überall nur Staub. Oh, Matreus, es muss etwas Furchtbares passiert sein!" Sie schluchzt bei den nächsten Worten: "Das... kann nur eines bedeuten, oder? Er kann nirgendwo anders sein. Es gibt keine dritte Zentrale, auch keinen neuen Wohnsitz an der Oberfläche, die ganze Einrichtung ist ja noch hier! Matreus, ist unser Meister... tot? Sind wir... sind wir jetzt ganz allein auf der Welt?"

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8 Re: Das Rollenspiel am Fr Dez 12, 2008 11:50 pm

Matreus kann sein Glück kaum fassen. Lux misstraut Jona und findet, dass jemand, nämlich sie, ihm auf die Finger schauen sollte und sie verspricht, alles daran zu setzen, dass Matreus zurückehren kann, um ihr dabei zu helfen. „Ich helfe dir gern dabei, nichts lieber als das“, antwortet Matreus grimmig. Was ihn aber mit großem Unbehagen erfüllt ist, dass Lux die Präsenz des Meisters nicht spüren kann. Sie hat Angst und Matreus teilt das Gefühl. „Verdammt, was ist, wenn Jona den Meister mit seiner angeblichen Rückkehr nur hereingelegt hat und ihm endgültig den Garaus gemacht hat?“, murmelt er mehr als besorgt. Sollte das zutreffen, gibt es für Matreus keine Chance mehr, diesen Ort zu verlassen. Er darf gar nicht daran denken, bereits bei der Vorstellung hat er das Gefühl, den Verstand zu verlieren.

Matreus wird aus seinen trüben Gedanken gerissen, als Lux wieder das Wort an ihn richtet. Sie verabschiedet sich erst einmal, da es in der Oberwelt praktisch unmöglich ist, den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten. Sie verspricht, sich wieder zu melden, sobald sie in der Hamburger Zentrale ist, und bittet ihn durchzuhalten. So weit so gut. Nur, dass sie ihn auffordert, ihr die Daumen zu drücken, da er sonst sowieso nichts zu tun hat, findet er doch ziemlich gefühllos. Ein wenig verstimmt und mit deutlichem Sarkasmus in der Stimme entgegnet er: „Klar, ich werde die Daumen drücken, bis sie schmerzen. Dann spüre ich vielleicht die seelische Qual ein bisschen weniger.“

Lux verschwindet und Matreus ist wieder allein mit sich selbst und seinen Sorgen. Ohne Uhr kann er die Zeit nur schätzen, aber jede Sekunde verstreicht quälend langsam. Was wird Lux in der Zentrale in Hamburg vorfinden? Und wird es ihr überhaupt gelingen, in das Haus der Hamburger Wächter einzusteigen und die Schleuse zu benutzen? Matreus läuft unruhig im Kreis herum, so stößt er wenigstens nicht an die Grenzen seines Gefängnisses. Immer wieder knabbert er an seinen Fingernägeln, die inzwischen vermutlich grässlich ausgefranst aussehen. Egal, es kann ja keiner sehen.

Gerade als Matreus daran zu zweifeln beginnt, dass Lux sich überhaupt wieder melden wird, hört er sie wieder seinen Namen rufen. Aber was ist das? Sie schluchzt! Matreus erstarrt und befürchtet bereits das Schlimmste. Sie hat den Meister gefunden, tot, und Jona sitzt triumphierend an der Schaltzentrale und legt seine Hand auf das Macht-O-Meter, das 200 % Macht anzeigt. Matreus sieht es ganz deutlich vor sich. Das ist das Ende! Nur mit Mühe kann er sich auf Lux’ Worte konzentrieren. Sie hat nicht Zanrelots Leiche gefunden, sondern nur eine verlassene, völlig verstaubte Zentrale. Auch von Jona keine Spur. Eine neue Zentrale oder einen Wohnsitz an der Oberfläche schließt Lux aus, da noch alles vor Ort ist. Sie fasst Matreus’ schlimmste Befürchtung in Worte, nämlich dass der Meister tot ist und fragt, ob sie nun ganz allein auf der Welt sind.

Matreus schweigt minutenlang, die neuesten Mitteilungen bringen ihn an den Rand der Verzweiflung und er kann sich kaum fassen. Dann bricht es aus ihm hervor: „Ob WIR allein auf der Welt sind? Lux! DU hast die Möglichkeit, dich überall frei zu bewegen. Wie kannst du behaupten, allein zu sein? Wollen wir tauschen? HIER ist man ganz allein auf der Welt. Und zwar eine ganze Ewigkeit lang!“ Matreus’ Stimme bricht, und ein paar Schluchzer dringen aus seiner Kehle, bevor er sich wieder fassen kann. Er ringt nach Beherrschung und bemüht sich um Fassung. „Lux“, sagt er eindringlich. Solange du seine L… äh … ihn nicht gefunden hast, darfst du die Hoffnung nicht aufgeben!“ Wenn er nur selbst die Hoffnung nicht bereits fast aufgegeben hätte! Was soll er ihr denn sagen? Was passiert ist, seit er hierher verbannt wurde, weiß er doch gar nicht! Alles ist möglich!

Matreus überlegt, wieder im Kreis laufend, was Lux jetzt noch tun kann. Schließlich hat er einen Einfall. Genau genommen ist es eine verschwindend geringe Chance, dass diese Idee irgendetwas bringt, aber in einer so verzweifelten Lage sollte man nicht wählerisch sein. „Lux, pass auf. Als ich verbannt wurde, musste ich meinen Zauberstab zurücklassen. Ich spüre, dass er noch irgendwo da oben ist, ich spüre seine Präsenz. Sie ist schwach, aber sie ist da. Vermutlich leuchtet er ganz schwach. Wenn es dir gelingt, meinen Zauberstab ausfindig zu machen, findest du vielleicht auch Zanrelot. Ich glaube nicht, dass er den Stab einfach wegwerfen würde. Es ist eine geringe Chance, aber ich denke, wir haben wohl beide nichts zu verlieren, wenn du es versuchst. Bist du bereit, dich auf die Suche zu machen?“

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9 Re: Das Rollenspiel am Sa Dez 13, 2008 7:32 pm



Lux lauscht aufmerksam jedem einzelnen Wort von Matreus, liegt doch ihre letzte Hoffnung in dem, was er vorschlägt. Erst recht liegt natürlich seine einzige Hoffnung darin; ihr ist schon klar, dass seine Lage noch verzweifelter ist als ihre, ja als jede andere nur vorstellbare Situation. Und doch hat sie nicht das Gefühl, ihm viel vorauszuhaben, falls Zanrelot nicht mehr ist. Was bringt ihr die Freiheit, auf einer Welt ohne Sinn herumzulaufen, oder der Kontakt zu all den nichtsnutzigen Wesen? Sie will Zanrelot oder niemanden.

Also klammert sie sich an den Strohhalm, den Matreus ihr anbietet: Sie muss seinen Zauberstab finden, auch wenn er die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen ist. Und sie muss die Angst verdrängen, diesen Zauberstab vielleicht bei einem toten Zanrelot zu finden. Sollte dieser Fall eintreten, dann würde sie dafür sorgen, dass ihr Meister eine würdige Feuerbestattung erhielte - und dass er mit einem großen Gefolge ins Jenseits einzöge! Die Welt der Menschen, sollte sie ihn ermordet haben, würde in einem Feuer erglühen, das sie nie mehr vergessen könnte! Lux' Augen glimmen bei diesen Rachegedanken in der Farbe des Feuers. 'Nein', ermahnt sie sich selbst, 'nicht solche Gedanken! Der Meister lebt, er muss einfach leben! Ich werde ihn finden, wo immer er ist!'

Sie sammelt sich und gibt Matreus Antwort: "Bereit, wenn du es bist. Ich werde deine Hilfe brauchen. Zuerst einmal muss ich die Spur deiner magischen Aura aufnehmen, dann muss ich ihr folgen. Das wird in der Oberwelt mit all ihren ablenkenden Einflüssen sehr schwierig werden. Wenn ich überhaupt eine Chance haben soll, musst du dich ununterbrochen mit aller Macht auf deinen Zauberstab konzentrieren. Nur dann wird er Signale aussenden, die hoffentlich stark genug sind, dass ich sie orten kann."

Sie wartet Matreus' Antwort ab, dann macht sie sich an die Arbeit. Sie richtet ihre ganze Konzentration auf Matreus' Präsenz, bis sie sicher ist, seine Signatur überall wiederzuerkennen. Sie weiß, dass sein persönlicher Zauberstab, sofern er leuchtet, dieselbe magische Frequenz aussenden wird. Ihr muss sie folgen, wie ein Spürhund.

Eins ist sicher: Hier in der Unterwelt befindet sich der Zauberstab nicht. Keinerlei Signal, obwohl hier keine störenden Einflüsse sind. Unverzüglich begibt Lux sich in die Oberwelt und auf einen Streifzug durch Hamburg. Doch nach wie vor findet sie keine Spur. Nachdem sie eine Weile herumgelaufen ist, kommt sie an eine Kirche. Sie öffnet das schwere Portal und betritt den Innenraum. Lächelnd schnuppert sie den Weihrauch. Dumme Menschen, die glauben, Dämonen könnten kein Gotteshaus betreten oder würden sich an Weihrauch und Weihwasser vergiften! Wenn da ein allmächtiger Schöpfer aller Dinge ist, dann hat er ja wohl auch die Wesen der Unterwelt erschaffen. Die meisten von ihnen lieben diese altehrwürdigen Gebäude sogar ganz ausgesprochen. Sie steigt auf den Kirchturm und lässt ihren Blick über die Dächer von Hamburg schweifen. Ihr sinkt etwas der Mut, als sie sieht, wie viel größer diese Stadt als Lübeck ist. All diese Straßen zu Fuß abzulaufen, das kann ja Wochen dauern! Nein, so geht es nicht.

Lux klettert die vielen Stufen wieder hinab und begibt sich zum nächsten Taxistand, nachdem sie sich noch rasch Bargeld besorgt hat. Die Bank wird nicht begeistert sein, über den aufgeschmolzenen Geldautomaten und die fehlenden Scheine, doch der Zweck heiligt die Mittel.

Lux wedelt dem Taxifahrer mit einem Bündel Banknoten vor der Nase herum und befiehlt: "Stadtrundfahrt. Kreuz und quer, alle Viertel. Schön langsam und mit offenem Fenster. Und keine dummen Fragen." Sie plumpst auf den Beifahrersitz. Der Fahrer macht große Augen, ist aber durch den Anblick des Geldes schnell überzeugt. "Touristin?" fragt er nur grinsend. Solche Verrückten sind ja meistens Touristen, vorzugsweise aus Übersee. Sie nickt nur. "Darf ich fragen, woher?" "Feuerland. Und jetzt Schnauze! Fahren Sie!"

Das Taxi fährt nach und nach alle möglichen Stadtviertel ab, doch so sehr Lux auch versucht, eine magische Witterung aufzunehmen, da ist nichts. Ihre Hoffnung wird mit jedem Straßenzug geringer. Doch noch weigert sie sich, aufzugeben. Es gibt sicher immer noch Ecken in dieser Stadt, die sie noch nicht abgeklappert haben. Oder sie hat etwas übersehen, weil die Frequenz von irgendetwas anderem überlagert wurde. Und wenn dieses verfluchte Hamburg hundertmal abklappern und danach notfalls noch die ganze Welt bereisen muss, sie wird etwas finden! Irgendwo muss der Zauberstab ja schließlich sein, was auch immer passiert ist!

"Gibt es noch Gegenden, die Sie mir vorenthalten haben?" fragt sie den Taxifahrer. "Na ja", meint der, "da wäre noch die Reeperbahn. Da bringe ich aber eigentlich nur männliche Touristen hin. In der Herbertstraße ist sogar der Zutritt für Frauen verboten, außer für die, äh, berufstätigen. Das wäre auch nichts für Sie, Lady." "Hinfahren!" befiehlt sie. Der Fahrer verdreht seufzend die Augen, kutschiert sie aber dann doch zur Reeperbahn und auf derselben entlang. Wie auf dem ganzen Weg, schleicht er im Schneckentempo dahin und sie steckt witternd den Kopf aus dem Fenster. Einige Damen aus dem ältesten Gewerbe der Welt giften sie an: "Ey, hau ab hier! Willst du uns Konkurrenz machen? Oder bist du von der Bullerei und willst schnüffeln? Zieh bloß Leine!" Doch Lux läst sich nicht beirren. Schließlich droht ihr eine stark geschminkte Leopardenpelzträgerin: "Such dir ein anderes Revier oder ich hol meinen Macker!" "Ihren was?" "Na, meinen Macker, ey! Meinen Luden. Meinen Fiesel. Meinen Zuhälter. Herrjeh, mein Herrchen sozusagen. Jetzt kapiert?" "Oh, ich verstehe. Nein, bemühen Sie ihn nicht! Ich habe meinen eigenen Meister und bin nur auf der Suche nach ihm." "Hm", grummelt die Gewerbetreibende, "dann mal gut such! Aber lass ja die Finger von meinem 'Meister', klar?" "Versprochen." Nun darf das Taxi ungehindert passieren.

Einige Meter weiter kommt plötzlich heftige Bewegung in Lux. Sie hat etwas gespürt! Nur ganz kurz, aber es war eindeutig da. Jetzt wieder! Ganz schwach, aber eindeutig Matreus' Signatur! Immer wieder verliert sie die Spur, kann sie aber wiederaufnehmen. Die Quelle muss in der Nähe sein, allerdings nicht genau in dieser Straße. Auf Lux' Befehl biegt ihr Chauffeur rechts ab, dann noch einmal rechts in die Seilerstraße. Das Signal wird immer stärker! Irgendwo hier muss es sein! "Ganz langsam fahren!" keucht Lux aufgeregt und spürt Matreus' Zauberstab nach. Ihre Hoffnung, längst nur noch künstlich am Leben erhalten, flammt neu auf. Und wie beim Topfschlagen am Kindergeburtstag, wird es mit jedem Meter "wärmer" und immer "wärmer" und schließlich "heiß".

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10 Re: Das Rollenspiel am Sa Dez 13, 2008 9:31 pm



"Anhalten!" ruft Lux. Das Signal kommt aus einem kleinen Laden, in dessen Schaufenster sich allerlei Krimskrams stapelt. "Antiquitäten" liest sie und die Hausnummer 97. Sie steigt aus und befiehlt dem Taxifahrer zu warten. "So lange Sie nicht bezahlt haben, haue ich sicher nicht ab", brummt der. Ein Glöckchen bimmelt, als Lux die Ladentür öffnet. Da zunächst kein Verkäufer zu entdecken ist, schaut sie sich selbständig im Laden um. Als erstes fällt ihr Blick auf ein goldgerahmtes Schwarzweißfoto mit einem Schildchen: "Hamburger Kaufmannsfamilie von Klöthenkot, 1912." Du liebe Güte, sowas Neuwertiges schimpft sich eine Antiquität? Was würde der Ladeninhaber wohl mit Lux anstellen, wenn er wüsste, dass sie Jahrgang 1769 ist? Sie auch in einem seiner Regale verstauben lassen?

Doch sie hat Wichtigeres zu tun, als solchen Gedanken nachzuhängen. Sie hat das Signal wieder verspürt, deutlicher als je zuvor! Sie muss ja fast auf dem Zauberstab draufstehen, so intensiv war das! Da ist es wieder und... ein grünes Leuchten! Aus einem der Regale weiter hinten im Laden! Lux stürzt hin und ihr Herz setzt ein paar Sekunden lang aus. Da ist er, Matreus' Zauberstab! Sie ist am Ziel! Lux greift nach dem grün pulsierenden Stab, wie ein Ertrinkender nach einem Halt. Sie drückt ihn an sich und atmet tief durch. Den Zauberstab hat sie, doch wo ist der Meister? Hält er sich ganz in der Nähe auf, oder hat er den Zauberstab an diesen Laden verkauft oder gestohlen bekommen und ist gar nicht hier?

Lux will sich von dem Regal abwenden, doch plötzlich beginnt der Zauberstab hektisch zu blinken und in ihren Händen regelrecht zu zappeln. Er richtet sich selbst auf das Regal aus, aus dem sie ihn genommen hat. Ihr Blick folgt dem grünen Lichtstrahl und fällt auf eine Schneekugel, die unauffällig zwischen all dem anderen Gerümpel steht. In dem verstaubten, kleinen Kitschartikel entdeckt sie zwei winzige Figürchen. Ohne allzu großes Interesse betrachtet sie sie im Licht des Zauberstabes. Doch dann zuckt sie zusammen. Sie geht ganz nah heran. Das kann doch nicht sein! Aber das sah ja aus wie... Tatsächlich, es sind Zanrelot und Jona! Wer hat die beiden denn als Spielfiguren nachgebildet? Derjenige muss sie ja kennen und kann ihr vielleicht weiterhelfen. Doch dann schaut sie noch einmal genauer hin und beobachtet auch das aufgeregte Flackern des Zauberstabes. Das sind keine Plastikpüppchen... Das sind Wesen aus Fleisch und Blut! Zwar winzig klein und unbeweglich, aber doch... "Bei allen Vulkanen der Erde!" keucht Lux, "Meister! Jona!" Wie sind sie da hineingeraten? Aber wie auch immer, sie wirken nicht tot. Völlig steif und von einer Eiskruste überzogen, aber nicht tot. Eher wie mitten in der Bewegung erstarrt, mit aufgeregten Mienen und weit aufgerissenen Augen.

Vorsichtig und liebevoll nimmt Lux die Kugel in beide Hände. Wenn sie sie so hält und sich sehr konzentriert, kann sie sogar ganz schwach Zanrelots Präsenz spüren, außer der nun sehr deutlichen von Matreus im Zauberstab! "Meister!" flüstert sie zärtlich und mit zitternder Stimme. Sie beginnt zu weinen und weiß selbst nicht, ob vor Glück, dass er lebt und sie ihn gefunden hat, oder vor Kummer über seine Lage. Nun fällt ihr auch Matreus' Situation wieder ein und es wird klar, warum Zanrelot ihn nicht erlösen konnte.

Das Auftauchen des Ladeninhabers reißt Lux jäh aus ihren Gedanken. Sie reißt sich zusammen und wickelt möglichst rasch das Geschäft ab. Dann besteigt sie mit Schneekugel und Zauberstab das Taxi und lässt sich zurück zur Oberalster fahren. Sie entlohnt ihren Helfer fürstlich und steigt durch das nachts aufgeschmolzene Fenster wieder ins Haus der neuen Wächter ein. Sie hat Glück, offenbar sind alle ausgeflogen. Ungehindert gelangt sie zurück in die Unterwelt. Hier kann sie endlich Kontakt zu Matreus aufnehmen!

"Matreus!" ruft sie aufgeregt, "der Meister lebt! Jona auch! Man hat sie in eine Schneekugel verbannt! Siehst du, es war nicht die Schuld des Meisters, dass du nicht gerettet wurdest! Ich habe die Schneekugel mitgebracht und auch deinen Zauberstab. Du hast deine Sache übrigens großartig gemacht, danke! Ohne dich hätte ich die beiden nie gefunden." Sie muss kurz Luft holen. Dann fährt sie fort: "Jetzt lass uns gemeinsam überlegen, wie wir sie da rausholen! Sie aufzutauen, wird eine leichte Übung für mich sein. Aber erst einmal müssen wir sie da rausholen und auf ihre natürliche Größe zurückbringen. Ich hoffe, du kennst geeignete Zaubersprüche. Und wenn, dann muss ich sie ja ausführen, mit deinem Zauberstab. Das wird nicht leicht, er ist nicht auf mich eingeschwungen, sondern auf dich. Ich kann es nur schaffen, wenn du dem Zauberstab währenddessen ganz viel Energie verleihst.

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11 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 12:34 am

Matreus ist erleichtert, dass Lux nicht völlig verzagt und versuchen will, seinen Zauberstab ausfindig zu machen, so gering auch die Aussicht auf Erfolg ist. Sie braucht dazu allerdings seine Hilfe, was für ihn bedeutet, sich unablässig auf seinen Zauberstab zu konzentrieren, um die Signale, die er aussendet, zu verstärken. Das wird eine sehr schwierige und äußerst anstrengende Aufgabe, die ihn vermutlich an den Rand der Erschöpfung bringen wird. Aber es ist die einzige Chance, die er hat, also wird er sich ganz bestimmt nicht schonen. „Ich bin bereit“, sagt er entschlossen und fängt sogleich an, sich mit aller Kraft auf seinen Zauberstab zu konzentrieren.

Anfangs schafft er es noch mühelos, die Verbindung zu seinem Zauberstab aufrecht zu erhalten, aber im Laufe der Zeit muss er sich immer mehr anstrengen. Sein Herz fängt an zu rasen, als würde er einen Marathonlauf absolvieren und der Schweiß bricht ihm aus. Irgendwann fangen seine Knie so an zu zittern, dass er sich zu Boden sinken lassen muss und noch immer lässt Lux nichts von sich hören. Ist er überhaupt in der Lage, lange genug durchzuhalten? Er muss einfach, eine andere Chance gibt es nicht, jemals wieder hier rauszukommen.

Es muss bereits Stunden her sein, seit Lux den Kontakt abgebrochen hat und Matreus ist kurz davor aufzugeben. Ein letztes Mal mobilisiert er seine Kräfte und hält noch eine Weile durch, dann muss er aufgeben. Er ist einer Ohnmacht nahe, alles dreht sich um ihn, was durch die Dunkelheit noch schrecklicher ist, da er das Gefühl hat zu kippen, ohne zu merken, in welche Richtung er fällt. Das war es dann wohl, er hat versagt, seine Kraft hat nicht ausgereicht, Lux zu helfen, seinen Zauberstab zu finden.

Betrübt starrt Matreus in die Dunkelheit, die ihn nun für immer umfangen halten wird. Warum nur hat er sich schützend vor die Wächter gestellt? Hätte er das nicht getan, würde er jetzt nicht hier sitzen. Durch seine Eifersucht und seine Enttäuschung, niemals die Anerkennung zu bekommen, die Jona so selbstverständlich erhielt, ohne sie je verdient zu haben, hat er sich dieses Schicksal selbst eingebrockt. Er birgt sein Gesicht in den Händen und lässt hoffnungslos die Schultern hängen.

Matreus zuckt zusammen, als er plötzlich Lux’ Stimme seinen Namen rufen hört. Er hat gar nicht mehr mit ihr gerechnet und schon gar nicht damit, dass sie so aufgeregt klingen würde. Der Meister lebt, ruft sie und Matreus kann es kaum glauben. Allerdings sitzt er zusammen mit Jona in einer Schneekugel fest und Lux drängt darauf, zu überlegen, wie man sie dort wieder herausholen und zu ihrer ursprüngliche Größe zurückbringen kann. Matreus schwirrt der Kopf bei der Flut von Fragen, die auf ihn einstürmen. Geeignete Zaubersprüche? Und Lux soll mit seinem Zauberstab zaubern? Mit seiner Hilfe? Woher soll er denn nach der stundenlangen Anstrengung, die gerade hinter ihm liegt, dafür noch die Kraft nehmen?

Matreus merkt, dass sogar seine Stimme schwach klingt, als er Lux antwortet: „Das Herausholen ist das geringste Problem. Eine Schneekugel ist aus Glas und das ist ja nicht unzerbrechlich. Wickele einfach ein Handtuch darum, damit die Splitter nicht fliegen, und dann schlage sie kaputt.“ Selbst diese wenigen Worte haben Matreus wieder erschöpft und er muss ein wenig Pause machen, bevor er weiterredet. „Ein Zauberspruch, um sie wieder groß zu machen. Lass mich überlegen“, murmelt er. „Ich weiß, der Meister hat mir etwas Passendes beigebracht, wenn ich mich nur erinnern könnte.“ Er wühlt in seiner Erinnerung. „Homo Magnus … nee, falsch. Homo Magni… nee, auch nicht. Ha, jetzt hab ich es. Der Spruch lautet Homo Magnitudo Regularis.“

Matreus atmet tief durch. „Du wirst dich selbst sehr stark konzentrieren müssen, mich hat die Suche bereits sehr viel Kraft gekostet und ich weiß nicht, wie viel ich noch aufbringen kann. Ich gebe natürlich mein Bestes, darauf kannst du dich verlassen. Wir können nur hoffen, dass es reicht. Also, ich bin bereit. Viel Glück.“ Matreus mobilisiert alle Kraftreserven, die er noch besitzt, und konzentriert sich ganz auf seine Aufgabe. Nun kann er nur noch hoffen und bangen.

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12 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 1:53 am



Lux erschrickt darüber, wie schwach Matreus' Stimme klingt. Es gibt ihr eine ungefähre Ahnung davon, wie viel Kraft es ihn gekostet hat, die Verbindung zum Zauberstab aufrecht zu erhalten. Armer Matreus! Aber er hat seine Sache gut gemacht.

Als sie seinen Lösungsvorschlag zur Öffnung der Glaskugel hört, muss Lux kurz lachen. "Typisch du", sagt sie zu ihrem Kollegen, "im Zweifelsfall kommst du immer auf die nichtmagischen Lösungen. Wir anderen handeln ja manchmal eher nach dem Grundsatz 'Warum einfach, wenn's auch umständlich geht?'." Dieser eine heitere Moment tut ihr richtig gut. Die Erleichterung, den Meister zurückzubekommen, schwingt in ihrem Lachen mit, ebenso wie die Erinnerung an die frühere Zusammenarbeit mit Matreus und die ganze gute, alte Zeit. Jetzt soll es endlich wieder werden wie damals.

Den Zauberspruch, den Matreus ihr verrät, kannte sie nicht, aber er hört sich gut an. Doch erst einmal muss sie die Glaskugel zerbrechen. Der Tipp mit dem Handtuch ist ja gut, um sie selbst vor Splittern zu schützen, aber viel wichtiger ist ihr, dass keine ins Innere dringen. Nicht auszudenken, wenn so eine vergleichsweise riesige, messerscharfe Scherbe die winzigen, wehrlosen Kerlchen da drinnen treffen würde! Nein, lieber trägt sie selbst die eine oder andere kleine Verletzung davon. Sie lässt also die Sache mit dem Handtuch, denn es würde nur ihre Sicht und somit ihre Präzision behindern. Sie greift sich ein herumliegendes Metallstück, Teil irgendeiner unfertigen neuen Erfindung des Meisters, und schlägt mit dessen schmaler Kante so auf die Glaskugel, dass die Splitter von den Eingeschlossen weg fallen müssen. Da sie so behutsam vorgehen muss, dauert die Prozedur ziemlich lange. Aber die beiden bleiben unversehrt, und auch sie selbst kriegt nur eine winzige Schramme ab.

"Ich hab es geschafft!" jubelt Lux, nachdem sie die beiden ganz freigelegt hat, "Matreus, sie sind aus dieser grässlichen Kugel heraus!" Für einen Moment hält sie die zwei kleinen Persönchen in der Hand wie in einer schützenden Schale und betrachtet sie. Dann legt sie sie behutsam auf ihre Jacke, die sie als Polster auf den Boden gebreitet hat.

Nun ist es Zeit für den Vergrößerungszauber. Lux gibt Matreus Bescheid: "Es ist soweit. Ich habe jetzt deinen Zauberstab in der Hand, wir können beginnen. Ich weiß, wie viel Energie dich das Ganze bereits gekostet hat, aber zusammen können wir es schaffen. Denk ganz fest daran, was für uns alle auf dem Spiel steht und wie schön es wieder werden kann. Es ist zum Greifen nahe, Matreus! Ich wünsche dir viel Kraft. Also los!"

Sie richtet den Zauberstab auf Zanrelot und Jona und spricht die magische Formel: "Homo Magnitudo Regularis!" Aus der Spitze bricht ein grünes Licht hervor, aber es ist schwach und flackert unregelmäßig. Lux sammelt ihre ganze Konzentration und macht einen zweiten Versuch, doch wieder erfolglos. An Matreus kann es nicht liegen, denn an der leichten Vibration des Zauberstabes spürt sie, dass er bei der Energieversorgung sein Allerbestes gibt. Auch ihre eigene Konzentration ist eigentlich stark genug. Aber an irgendeiner Stelle hakt es. Lux' Magie und die des Zauberstabes harmonieren nicht. 'Die Feuermagie', schießt es ihr durch den Kopf. Ihre eigene Magie ist die rote des Feuers. Doch das ist nicht Matreus' Wellenlänge. Wie hat sie sich seine Magie vorzustellen? Hoffentlich ist sie nicht wie das Wasser, damit kann sie nun gar nicht! Aber Wassermagie ist auch eher typisch für weiße Magier, als für schwarze. Mit der Magie der Luft käme sie ganz gut klar, Luft facht Feuer an. Aber das entspricht eher Jonas flatterhafter Art. Matreus, der Treue, Beständige, Verlässliche, hat die Kraft der Erde, ja, ganz sicher! Lux denkt ganz fest an die Tiefen der Erde, die dem Feuer Heimat geben. Sie konzentriert sich auf ihre Füße, bis sie spürt, wie die Energie der Erde in sie hineinströmt. Rasch greift sie nach dem Dorje, der in der Nähe liegt. Mit diesem magischen Gegenstand kann man nicht nur Bannkreise ziehen, wie Matreus es schon einmal getan hat, sondern auch Energien bündeln und lenken. In einer Hand den Zauberstab, in der anderen den Dorje, nimmt sie nun einen neuen Anlauf. Sie konzentriert sich, bis sie nicht nur spürt, sondern auch sieht, wie die Energie durch die Schleifen des Dorje fließt. Die der Erde und die des Feuers verflechten sich ineinander zu einer gemeinsamen Kraft. "Homo Magnitudo Regularis!" ruft Lux nun entschlossen.

Die beiden leblosen Gestalten beginnen sich in die Länge und Breite zu strecken. "Sie wachsen!" schreit Lux, "Matreus, es funktioniert!" Nach nur wenigen Minuten liegen Zanrelot und Jona in Lebensgröße vor ihr, wenn auch nach wie vor starr wie Eis. Wie zwei Statuen sehen sie aus, Denkmäler ihrer selbst. Die Jacke reicht als Unterlage natürlich nicht mehr aus, aber Lux hat sie vorher mit Bedacht so gelegt, dass die Köpfe der beiden immer noch auf dem weichen Untergrund liegen.

Nun gilt es, sie wiederzubeleben. Lux' Herz zerspringt fast vor Aufregung. Ihr spontaner Impuls ist, den Meister als Ersten ins Leben zurückzuholen. Doch dann stellt sie sich seinen Schmerz vor, wenn er seinen leblosen Sohn erblickt. Nein, besser weckt sie Jona zuerst. Den wird es schon nicht zu tief treffen, seinen Vater so zu sehen. Schließlich hat er lange genug versucht, ihn höchstpersönlich umzubringen! Nur seinem Vater zuliebe, schenkt sie ihm überhaupt das Leben zurück.

Sie beugt sich dicht über Jonas eiskalten, erstarrten Körper und lässt die Hitze des Feuers durch ihre Adern strömen. Bald glüht sie wie in einem Fieber, das kein Mensch aushalten könnte. "Calor caloris, vigor ignis, vis vitalis!" murmelt sie unablässig. Die Kälte weicht nach und nach aus Jonas Körper, die Starre lässt nach. Endlich schlägt er mühsam die Augen auf. 'Den Rest schafft er alleine', denkt sich Lux und geht endlich zum Meister über. "Jona ist aufgetaut", lässt sie Matreus wissen, "jetzt kommt der wichtigste Teil."

Sie beugt sich nun dicht über Zanrelots Körper und lässt die Glut in ihren Adern nochmals aufwallen. Rasch steicht sie ihm noch übers Haar, denn die Gelegenheit ist günstig und wird so bald nicht wiederkehren. Wie hart und zerbrechlich sich seine gefrorenen Haare anfühlen! Wie Grashalme, wenn der Rauhreif an ihnen hängt. Und an seinen Wimpern hängen winzige Eiszapfen. Seine sonst so lebhaften Augen sehen aus wie grünes Eis. Lux beginnt, ihn zurückzuholen: "Calor caloris, vigor ignis, vis vitalis!" Sie sagt die Beschwörungsformel immer und immer wieder, während sie beobachtet, wie nach und nach die Kälte aus ihrem Meister weicht. Nur schnell weitermachen, bevor die grausame Kälte ihn schmerzt, wenn er das Bewusstsein wiedererlangt! Die Eiskrusten sind längst von seiner Haut, seinen Haaren und Wimpern weggetaut. Nun kehrt allmählich auch lebendiger Glanz in seine Augen zurück. "Meister!" flüstert Lux überwältigt und lächelt ihm unter Freudentränen ermutigend zu, "Meister, Ihr lebt! Nun wird alles wieder gut!" Sie spendet ihm weiter Wärme, damit er ganz zu sich kommt und ruft lachend und weinend zugleich: "Matreus! Er lebt! Wir haben unseren Meister zurück!"

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13 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 2:59 am



Schmerz. Ein plötzlicher, scharfer Schmerz, wo vorher nichts war, absolutes Nichts. Es brennt wie Feuer, denn extreme Kälte und extreme Hitze fühlen sich am Ende gleich an. Und wenn erst beide sich mischen, ist es zunächst ganz schrecklich. Hält man nach einer Schneeballschlacht die halb erfrorenen Hände unter warmes Wasser, dann tut die Wärme auch erst einmal höllisch weh, bevor sie wohlzutun beginnt. So ergeht es nun Zanrelot. Sein Bewusstsein, zu noch nicht mehr als einem trüben Dämmerzustand erwacht, spürt nichts als diesen Schmerz am ganzen Körper. Doch kein Schrei entringt sich seiner Kehle. Noch sind seine Stimmbänder und seine Lippen starr und sein Gehirn noch gar nicht in der Lage, dem Körper auch nur reflexartige Befehle zu erteilen.

Doch je länger die Wärme auf ihn einströmt, desto schwächer wird der Schmerz und weicht einem sich langsam ausbreitenden Wohlgefühl. Der steifgefrorene Körper beginnt, weich und locker zu werden und holt das Zittern nach, das ihm so lange nicht möglich war. Die Sinnesorgane nehmen allmählich ihre Arbeit wieder auf, wenn auch noch lange nicht in vollem Maße, und das Denken kommt stockend wieder in Gang. Zanrelot zwinkert ein paar Mal, wie in Zeitlupe. Dann erblickt er ein Gesicht nahe über dem seinen. Er kennt es, doch er braucht eine Weile, bis er es zuordnen kann... Lux! Noch kann er sich nicht erinnern, dass sie in letzter Zeit gar nicht mehr dabei war. Genau genommen erinnert er sich an fast gar nichts, außer dass da zuletzt auch dieser schreckliche Schmerz war, aber nicht schwächer, sondern immer schlimmer werdend, bevor das Nichts kam.

Und Jona, da war irgendwas mit Jona, zuletzt. Zanrelot dreht den Kopf ein klein wenig zur Seite und erblickt seinen Sohn. Das erste Wort, das ganz leise über seine noch kaum geöffneten Lippen kommt, ist: "Jona!" Dann muss er die Augen schließen, so viel Kraft hat ihn das eine Wort gekostet.

Hat er eben jemanden "Matreus" sagen gehört? Oder war es Matreus' Stimme selbst? Noch kann er alles nicht recht zuordnen, aber etwas in seinem Gehirn sagt: 'Matreus.' Matreus, was war noch zuletzt mit Matreus? Er weiß es nicht mehr. Matreus ist sicher hier. Er ist immer da. Zanrelot öffnet die Augen wieder, doch viel kann er noch nicht wahrnehmen. "Matreus?" fragt er, "wo bist du?" Seine Stimme ist noch sehr, sehr schwach. Ob Matreus ihn hören kann, da, wo er ist?

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14 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 7:43 pm

Matreus lächelt schwach, als Lux über seinen Vorschlag zur Öffnung der Schneekugel lacht und es als typisch für ihn bezeichnet. Er erinnert sich daran, wie er die Lübecker Zentrale vor dem Wassereinbruch bewahrte, indem er kurzerhand Sprengstoff verwendete. Seiner Stimme ist sogar etwas Fröhlichkeit anzuhören, als er entgegnet: „Die Magie kann eben nicht immer alles erreichen. Man muss einfach flexibel bleiben.“

Matreus nutzt die Zeit, die Lux benötigt, um die Schneekugel zu zerstören, um sich auszuruhen und wieder ein wenig zu Kräften zu kommen, bei dem Zauber kommt es ganz darauf an, wie gut er sie unterstützen kann, damit er gelingt. Deshalb ist er Lux auch alles andere als böse, dass es ziemlich lange dauert, bis sie jubelt, dass sie es geschafft hat. „Gut gemacht“, murmelt er und klingt noch immer sehr erschöpft. Aber jetzt kann er sich nicht weiter ausruhen, jetzt muss er Lux helfen, die erklärt, dass sie den Zauberstab bereits in der Hand hält. Matreus konzentriert sich ganz auf die aufbauenden Worte und ein Gefühl der Wärme rieselt durch seinen Körper, als er sich vorstellt, wie schön es sein wird, diese Finsternis wieder verlassen zu können. So gestärkt gibt er alles, was er noch an Reserven mobilisieren kann, aber er spürt, dass es nicht reicht. Trotzdem lässt er nicht nach, obwohl ihm der Schweiß in Strömen über das Gesicht läuft und sein Atem nur noch stoßweise und stockend geht.

Gerade als Matreus die Hoffnung aufgeben will, hört er Lux schreien, dass sie wachsen. Die Erleichterung setzt noch einen letzten Rest an Energie frei, bis der Zauber abgeschlossen ist, und lässt sich dann in seine Erschöpfung fallen. Nur ganz schwach dringt die Nachricht zu ihm durch, dass Jona aufgetaut ist und Lux sich jetzt daran machen wird, den Meister ebenfalls wieder zu beleben. Endlich hört er die gute Nachricht, dass der Meister lebt. Und er hört das erste Wort, das der Meister ausspricht. Jona. Das Wort schneidet Matreus tief ins Herz, obwohl er es doch hätte erwarten müssen. Doch dann hört er, dass der Meister ihn ruft. Er fragt, wo Matreus ist. Hat er womöglich vergessen, wohin er ihn verbannt hat? Kann er ihn denn dann überhaupt zurückholen? Und will er es überhaupt? Mühsam reißt Matreus sich noch einmal zusammen, um seinem Meister zu antworten. Er möchte ihm so viel sagen. Dass es ihm leid tut, sich gegen ihn gestellt zu haben. Wie froh er ist, dass Zanrelot wieder da ist. Wie sehr er ihn vermisst. Er möchte um Vergebung bitten. Er möchte noch so viel mehr sagen, was er gar nicht in Worte fassen kann. „Meister …“ haucht er mühsam, aber mehr kommt nicht mehr über seine Lippen. Er ist am Ende seiner Kräfte angelangt und sinkt bewusstlos zu Boden.

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15 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 8:16 pm

Das Erste, was Jona bewusst wahrnimmt, ist Schmerz. Er kann nichts hören, er kann nichts sehen, er kann sich nicht bewegen, aber er kann fühlen. Leider kann er auch nichts sagen, nicht einmal wimmern, was die Schmerzen vielleicht erträglicher gemacht hätte. Dann dringen erste Wortfetzen an seine Ohren. Es sind immer wieder dieselben Worte, wiederholt von einer Stimme, die Jona als weiblich einstuft. Dass er richtig gelegen hat, zeigt sich, als seine Augen wieder erste Signale an sein Hirn schicken. Er kann zwar nicht gut sehen, es ist als würde er durch eine Eisschicht hindurchschauen, was ja auch tatsächlich der Fall ist, aber das Gesicht, das er über sich sieht, ist wirklich das einer Frau.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis Jonas Körper so weit aufgetaut ist, dass er sich wieder bewegen kann. Er ist allerdings noch weit davon entfernt, aufstehen oder sich gar nur aufsetzen zu können. Er schließt kurz die Augen, und als er sie wieder öffnet, kann er wenigstens wieder klar sehen. Die Frau wendet sich von ihm ab, noch bevor Jona sich bei ihr bedanken kann, aber als er sieht, dass sie sich Zanrelot zuwendet, um ihn ebenfalls wieder aufzutauen, lässt er sie selbstverständlich gewähren, ohne sie zu stören.

Es tut Jona in der Seele weh, seinen Vater in diesem bedauernswerten Zustand zu sehen. Allmählich kehrt auch die Erinnerung zurück, wie es dazu kam. Das Tor zur Welt. Zanrelot und sein Sohn Jona betreten es, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Doch dann der Beschuss des Tores, die eisige Kälte, die sie umfing und schließlich das grauenvolle Gefühl des Eingefrorenseins. Jona zittert, teilweise, weil er noch immer stark unterkühlt ist, teilweise vor Entsetzen an diese Erinnerungen.

Als Zanrelot endlich zu sich kommt, ist Jona sehr erleichtert. Und sein erstes Wort ist der Name seines Sohnes, was ihn mit großem Stolz erfüllt. Aber als sein Vater nach Matreus verlangt, runzelt Jona die Stirn und sagt mit leichter Missbilligung in der Stimme: „Vater, hast du denn schon vergessen, weswegen du ihn verbannt hast? Willst du ihn etwa wieder aufnehmen, nach dem, was er sich geleistet hat?“

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16 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 10:32 pm



Lux kniet neben Zanrelot und beobachtet besorgt und ganz genau jede klitzekleine Regung von ihm. Dass er den Namen seines Sohnes und seine Neffen ausgesprochen hat, ihren aber nicht, bekümmert sie nicht. Trotz allem war sie die Erste, die er beim Erwachen zu neuem Leben erblickt hat und auch, wenn er da noch zu schwach zum Sprechen war, hat sie das Erkennen in seinen Augen gesehen. Damit ist sie mehr als reichlich belohnt.

Bei aller Aufmerksamkeit gegenüber ihrem geliebten Meister, hat Lux durchaus auch ein Auge auf Jona. Der Gedanke, dass er neuerdings auf Zanrelots Seite steht, ist immer noch sehr ungewohnt für sie, und sie wird auf jeden Fall ein wachsames Auge auf ihn haben. Ganz verdammen will sie ihn aber auch nicht, sondern ihm eine Chance geben. Vielleicht ist ja wirklich das Wunder geschehen, auf das Zanrelot, gegen alle Vernunft, immer gehofft hat, und Jona meint es ehrlich gut mit seinem Vater. Dem würde sie es so sehr gönnen! Jonas momentane Besorgnis um Zanrelot wirkt jedenfalls echt und bringt ihn Lux ein wenig näher.

Doch als Zanrelot leise nach Matreus ruft und Jona sich gegen dessen Erlösung ausspricht, wird Lux wütend. "Ich weiß nicht, was Matreus sich geleistet hat", fährt sie Jona an, "aber dafür weiß ich sehr gut, welche unvorstellbaren Anstrengungen er unternommen hat, um den Meister zu retten! Ohne ihn hätte ich keine Chance gehabt. Ja, Jona, ohne Matreus wäre dein Vater immer noch in der Schneekugel eingefroren und du ganz nebenbei auch!"

Sie kommt kurz ins Grübeln und lenkt ein: "Gut, ich gebe zu, ich möchte auch gern wissen, was er verbrochen hat." Dann geht ihr Temperament wieder mit ihr durch: "Aber dass ausgerechnet du deinen Vater dazu bringen willst, ihm nicht zu verzeihen, Jona! Du bist ja wohl der Letzte, der das Recht dazu hat! Wenn dein Vater jede Schuld anrechnen wollte, überlege doch mal, wo du dann wohl wärst! Was auch immer Matreus getan haben mag, er war immerhin fast fünfhundert Jahre lang treu an seiner Seite, während du dich faul in der Oberwelt herumgetrieben hast! Dich mit Wächterpack eingelassen hast! Und damit nicht genug, nichts unversucht gelassen hast, deinem Vater zu schaden, ja, ihn umzubringen!"

Sie wirft einen langen Blick auf den langsam erwachenden Zanrelot und sagt eindringlich zu Jona: "Sieh ihn dir an! Er hat dich immer geliebt! Aber du? Ja, jetzt scheint es dich zu bewegen, wie er so hilflos daliegt und leidet. Aber früher? Da wolltest du den Wächtern ein Dokument zuspielen, dass ihn zu ewiger Qual verdammt hätte! Um nur ein Beispiel zu nennen, Jona Levy!" Sie hat seinen Namen fast ausgespuckt vor Verachtung.

Doch dann besinnt sie sich. Sie hat sich doch immer fest vorgenommen, in Zanrelots Gegenwart kein schlechtes Wort über Jona zu sagen! Sie weiß doch, dass es ihn kränkt. Und nun ist ihr Temperament doch wieder mit ihr durchgegangen, ausgerechnet jetzt, wo es Zanrelot so schlecht geht. Betrübt senkt sie den Kopf und schweigt. Vorsichtig blickt sie zu Zanrelot hinüber. Er scheint gar nicht zu reagieren. Wieder macht Lux sich Sorgen. Zwar hat sie ihn erst nach Jona aufgeweckt, also ist es normal, dass er noch nicht so weit ist wie sein Sohn. Aber dass es so lange dauert...

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17 Re: Das Rollenspiel am So Dez 14, 2008 11:19 pm



Zanrelot ist noch ganz weit weg von dem Geschehen um ihn herum. Mehr als ganz vage Vorstellungen von "Lux", "Jona" und "Matreus" kann sein auftauendes Gehirn noch nicht fassen. Aber es sind Namen, mit denen er Vertrauen verbindet, - etwas sehr Exklusives bei Zanrelot!

Da erreicht ihn ein Wort, ein einziges Wort von Matreus! "Meister", haucht er mit dieser ihm eigenen Zärtlichkeit und bedingungslosen Ergebenheit. Mehr kann Matreus nicht sagen, obwohl er so dringend möchte und müsste. Doch alles, was ihm auf der Seele liegt, klingt in diesem einen Wort. Und es erreicht Zanrelot, mehr als all die Worte, die ihm von Lux und Jona um die Ohren fliegen und die er gar nicht recht aufnehmen kann. Die dringen kaum bis an seine Ohren, geschweige denn bis in sein Gehirn. Aber dieses eine trifft ihn ins Herz.

Es weckt Empfindungen, es weckt Erinnerungen, es weckt sogar bis zu einem gewissen Grad den ganzen Zanrelot. Mehr als Jonas anklagende Worte, führt es ihm wieder vor Augen, was geschehen ist, welchen Anteil Matreus daran hatte und wie er ihn daraufhin bestraft hat. Was im Zorn geschehen ist und nur auf kurze Zeit gedacht war,... wie lange ist das her? Zanrelot hat keinerlei Zeitgefühl, doch er lässt den Blick in seiner Zentrale umherwandern und kann aus all der Verwahrlosung und der Dicke der Staubschicht erahnen, wie lange er fort gewesen sein muss.

Er richtet sich mühsam zum Sitzen auf, obwohl ihm schwindelig wird und ihm beinahe die Sinne wieder schwinden. "Matreus", flüstert er entsetzt, "was habe ich getan?" Er muss ihn zurückholen! Nicht wegen Lux' Verteidigungsrede, auch nicht aus Trotz gegen Jonas Worte, sondern einfach aus einem tiefen, inneren Bedürfnis heraus. Doch ihm wird deutlich bewusst, dass seine magische Kraft noch nicht ausreicht, den Fluch aufzuheben. "Lux", haucht er, "mein Elixier!" Sofort eilt sie zum Vorratsfass und schenkt ihm und auch Jona von dem stärkenden, grünen Trank ein.

Der einst so mächtige Zanrelot muss einige Gläser davon zu sich nehmen, bis er das Gefühl hat, überhaupt wieder magische Kräfte zu besitzen. Eigentlich dürfte er sich jetzt nicht gleich überfordern, aber dennoch kreuzt er die Arme vor der Brust, schließt die Augen und spricht mit äußerster Anstrengung die erlösenden Worte, die den Fluch aufheben: "Non te devoveo! Non te expello!"

Matreus' Körper taucht vor den staunenden Anwesenden auf wie aus dem Nichts. Er liegt am Boden, bewusstlos. Und neben ihm liegt sein Meister, den der verfrühte Zauber ebenfalls die Besinnung gekostet hat.

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18 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 12:02 am

Jona starrt Lux nur fassungslos an, während sie ihn anfährt und ihm eine Standpauke darüber hält, dass er kein Recht dazu hätte, seinen Vater dahin gehend zu beeinflussen, Matreus nicht zu verzeihen. Davon, dass Matreus Anstrengungen unternommen hat, um Zanrelot und auch Jona zu retten, wusste Jona nichts und das spricht natürlich für eine Begnadigung. Aber dass Lux ihm unter die Nase reiben muss, dass er lange Zeit auf der Seite der Wächter stand, ärgert ihn gewaltig. Ganz besonders deshalb, weil Lux recht damit hat, dass er selbst sich auch nicht mit Ruhm bekleckert hat und sein Vater ihm trotzdem verzieh.

Jona kann nichts zu seiner Verteidigung vorbringen und sagt dann widerstrebend: „Nun gut, wenn er sich so für uns eingesetzt hat, will ich nichts gesagt haben. Und was mich angeht, so hat es zwar eine Weile gedauert, aber ich habe mich besonnen und den Weg auf die richtige Seite gefunden.“ Er beachtet Lux nicht weiter, sondern beobachtet besorgt seinen Vater, der nur sehr langsam zu sich kommt. Und obwohl seine Kraft noch lange nicht ausreicht, setzt er sich auf und ist ganz entsetzt darüber, was er Matreus angetan hat. Jona schluckt jeglichen Kommentar herunter und eilt an Zanrelots Seite, um ihn zu stützen. Er verlangt nach seinem Elixier und Lux beeilt sich, ihn damit zu versorgen und vergisst auch Jona nicht, der sein Glas mit einem gemurmelten Dank entgegen nimmt.

Mit jedem Schluck, den Jona von dem Elixier trinkt, fühlt er seine Kräfte Stück für Stück zurückkehren. Auch Zanrelot wird stärker und schließlich hebt er den Fluch auf, der Matreus in der Verbannung hält. Sein Körper taucht aus dem Nichts aus und er ist offensichtlich bewusstlos. Für einen Moment empfindet Jona sogar Mitgefühl und Dankbarkeit, dass Matreus sich bis an den Rand der Kräfte gebracht hat, nur um Zanrelot zu retten. Jona bildet sich nicht ein, dass Matreus’ Sorge auch ihm galt, aber er konnte schließlich nicht einen retten und den anderen nicht.

Jona sieht zu seinem Vater hinüber, um seinen Gesichtsausdruck zu sehen und zu deuten, aber das Aufheben der Verbannung hat seine Kräfte ganz offensichtlich völlig überfordert, denn er sinkt nun ebenfalls bewusstlos zu Boden. Jona ruft erschrocken „Vater!“, drückt seine Hände und tätschelt seine Wangen, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen. „Los, tu doch was! Hol noch mehr von dem Elixier!“, ruft er Lux zu.

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19 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 12:43 am



"Meister!" schreit Lux entsetzt auf, als sie den gerade erst wiederbelebten Zanrelot ohnmächtig umkippen sieht. Sie kann nicht mehr hinzuspringen, um ihn aufzufangen, weil sie gerade nach Matreus schauen wollte. Jetzt blickt sie voller Sorge zwischen beiden Bewusstlosen hin und her, bis Jona sie aus ihrer Schreckskunde reißt. "Elixier, ja, mehr Elixier!" murmelt sie und sprintet los.

Als sie damit zurückkehrt, sieht sie, wie rührend besorgt sich Jona um seinen Vater bemüht und kann nicht umhin, beeindruckt zu sein. Vielleicht wird er dem Meister ja nun wirklich endlich ein guter Sohn sein und bleiben. Sie drückt Jona ein großes Glas von dem Elixier in die Hand: "Hier! Versuch ihm das einzuflößen! Ich kümmere mich inzwischen um Matreus." Zwar gilt ihre Hauptsorge immer dem Meister, doch auch an ihrem Kollegen liegt ihr durchaus etwas. Und sie kann wohl kaum erwarten, dass Jona ihn betreut, während sie Zanrelot pflegt. So toll scheint das Verhältnis zwischen den beiden "Brüdern" ja nicht zu sein.

Lux fasst mit einer Hand unter Matreus' Kopf und hebt ihn leicht an, während sie mit der anderen das zweite Glas Elixier an seinen Mund führt. Langsam träufelt sie die grüne Flüssigkeit zwischen seine leicht geöffneten Lippen und spricht sanft auf ihn ein, auch wenn sie nicht weiß, ab wann er sie vielleicht hören kann: "Matreus, trink das, damit du wieder zu Kräften kommst! Wach auf, Matreus, schau nur, du bist zuhause! Sieh doch den Meister an, er hat dir ja verziehen!"

Dabei schaut sie immer wieder hinüber zu Zanrelot und Jona. Der Sohn flößt dem Vater den Trank ein und macht seine Sache sehr gut. Bald schon kommt wieder etwas Leben in den Meister und als Jona das merkt, stützt er ihn so, dass er in eine halbwegs sitzende Position kommt. Wieder ein Punkt, den Lux, trotz ihres wachen Misstrauens, insgeheim positiv für Jona vermerkt. Denn der stolze Zanrelot nimmt bestimmt lieber in eine aufrechte Haltung ein, als schwach und würdelos am Boden zu liegen.

Lux lächelt ihrem Meister aufmunternd zu, doch sein Blick ruht auf Matreus, der immer noch nicht wieder zu sich gekommen ist. Es ist nicht ganz leicht, diesen Blick zu deuten, er wirkt besorgt, aber auch noch ziemlich weggetreten und am ehesten verwirrt.

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20 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 1:15 am

Matreus kommt nur sehr langsam zu sich. Er spürt seinen Körper noch gar nicht, aber er trotz geschlossener Augen kann er Helligkeit wahrnehmen. Etwas, das er für eine lange Zeit nicht sehen konnte. Er bemerkt Flüssigkeit in seinem Mund und schluckt reflexartig. Er kennt den Geschmack, auch wenn es sehr lange her ist, dass er ihn schmecken durfte, und allmählich kommt wieder Gefühl in seine Glieder. Auch die Hand in seinem Nacken, die ihn stützt, bemerkt er irgendwann und er hört eine sanfte Stimme, die ihm gut zuredet zu trinken und sagt, dass er wieder zuhause ist und der Meister ihm verziehen hat. Es muss ein Traum sein, ein Wunschtraum. Bestimmt hat die lange Isolation ihm den Verstand geraubt und er halluziniert.

Matreus schluckt weiter die Flüssigkeit und wartet darauf, dass sich all die positiven Eindrücke wieder in Luft auflösen. Aber im Gegenteil, er spürt die Hand in seinem Nacken immer deutlicher und die Helligkeit wird immer intensiver. Schließlich wagt er es, blinzelnd die Augen zu öffnen, nur um sie mit einem leisen Schmerzenslaut sofort wieder zu schließen. Nach so langer Zeit in der Finsternis kann er das Licht noch nicht wieder ertragen.

Matreus wartet noch eine Weile und blinzelt erneut, diesmal geht es besser. Er dreht den Kopf zur Seite und sieht Zanrelot auf dem Boden sitzen, von Jona gestützt. Und er sieht Matreus an, mit einem Blick, den er kaum deuten kann. Er scheint gar nicht richtig bei sich zu sein, wirkt ein wenig verwirrt, aber da ist noch etwas anderes. Täuscht er sich oder liest er tatsächlich so etwas wie Besorgnis in seinem Blick? Matreus’ Herz schlägt etwas schneller, es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn sein Meister ihm nicht nur verzeiht, sondern sich sogar um ihn sorgt!

Matreus hält es nicht länger auf dem Boden aus. Er rappelt sich auf die Knie und kriecht auf Zanrelot zu. Er ergreift seine Hand und drückt seine Stirn gegen seinen Siegelring. „Meister“, flüstert er ergriffen und mit großer Dankbarkeit, dann versagt ihm die Stimme und er verharrt einfach nur in der demütigen Geste.

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21 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 1:58 am



Zanrelot muss all seine Kraft aufwenden, nur um die Augen offen zu halten und Matreus zuzuschauen, wie er endlich aus seiner Ohnmacht erwacht. Gleichzeitig kommt er selbst erst langam wieder zu sich. Er möchte etwas zu Matreus sagen, doch er kann seine Gedanken noch nicht recht sammeln und bringt erst recht kein Wort über die Lippen.

Inzwischen schafft es Matreus bis in eine kniende Position und robbt herüber zu seinem Meister, um ihm mit einer Geste tiefer Demut seinen Dank zu erweisen. Zanrelot ist erschüttert. Er denkt gar nicht mehr an Matreus' Tat, sondern daran, was er seinem Ziehsohn unbeabsichtigt angetan hat. Sein momentaner Zustand der Schwäche erlaubt ihm Gefühle, derer er sonst kaum fähig wäre. Oder nein, die er zwar hat, aber nicht ohne weiteres zeigen könnte.

Ja, Empfindungen haben und damit umgehen sind zwei Paar Schuhe, besonders, wenn man so aus der Übung ist. Irgendwie muss er doch jetzt reagieren! Matreus kniet immer noch vor ihm, die Stirn an seinen Siegelring gepresst. "Meister", hat er geflüstert und erwartet doch nun sicher eine Antwort von ihm. Unbeholfen streckt er eine Hand nach Matreus aus, zieht sie wieder zurück, nähert sich ein zweites Mal zaghaft und überwindet sich schließlich, die Hand auf Matreus' Scheitel zu legen. "Meister?" fragt Zanrelot, immer noch etwas durcheinander, "solltest du nicht 'Vater' zu mir sagen? Und ich hab euch Kindern doch gesagt, dass ihr nicht vor mir knien sollt."

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22 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 1:45 pm

Matreus durchströmt ein warmes Gefühl, als er Zanrelots Hand auf seinem Kopf spürt. Es ist, als würde all das Elend, das er ertragen musste, all die Angst, die Einsamkeit und Verzweiflung, die er in seiner Verbannung empfunden hat, aus ihm herausgesaugt. Es ist, als würde seine Seele mit dieser leichten Berührung geheilt. Aber es kommt sogar noch besser, denn Zanrelot erinnert ihn daran, dass er ihn Vater nennen sollte und verlangt, dass er nicht vor ihm knien soll. Matreus kann sein Glück gar nicht fassen, und Tränen treten ihm in die Augen, als er ergriffen flüstert: „Vater, ich danke euch!“ Endlich wagt er es, den Kopf zu heben und Zanrelot in die Augen zu sehen. „Ich werde mich der Gnade, die Ihr mir zuteilwerden lasst, für würdig erweisen. Ich verspreche es, Vater.“

Matreus schaut sich in der Zentrale um, in der alles völlig verstaubt ist. Auch Zanrelots Stuhl ist von einer zentimeterdicken Staubschicht bedeckt und Matreus steht mühsam auf und schleppt sich dorthin. Er sucht nach einem Staubwedel und fängt an, den Stuhl ordentlich abzustauben. Dass er dabei gleich mehrere Male heftig niesen muss, stört ihn überhaupt nicht und er ruht nicht, bevor der Stuhl wieder in altem Glanz erstrahlt.

Matreus geht zurück zu Zanrelot und verneigt sich vor ihm. „Euer Stuhl wartet auf Euch, M … äh Vater.“ Er ergreift Zanrelots Arm und sagt zu Jona: „Hilf mir, ihn hinüberzubringen.“ Gemeinsam ziehen sie Zanrelot auf die Füße und geleiten ihn zu seinem Stuhl, wo sie ihn vorsichtig niedersetzen. Matreus eilt so schnell er kann davon und holt Zanrelot ein weiteres Glas Elixier und sieht so glücklich aus, wie schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr.

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23 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 2:13 pm

Jona kann nur mit Mühe eine angewiderte Miene unterdrücken, als er das sentimentale Gefasel zwischen Zanrelot und Matreus mitbekommt. Aber solange diese Lux in der Nähe ist, sollte er vorsichtig sein und nicht alles, was er denkt, auch deutlich zeigen. Und auch sein Vater würde es vermutlich als unerhört ansehen, wenn Jona seine Abneigung gegen Matreus zu deutlich zum Ausdruck brächte. Warum muss auch ausgerechnet Matreus geholfen haben, Zanrelot und Jona zu retten? Warum konnte Lux das nicht alleine hinbekommen? Jetzt muss er Matreus auch noch dankbar sein.

Jona hilft Matreus, Zanrelot auf seinen Stuhl zu setzen und streicht sich dann seine grüne Haarsträhne aus dem Gesicht. Während Matreus Zanrelot noch mehr Elixier holt, betrachtet Jona die leeren Bildschirme und die völlig verstaubte Tastatur. Die Zentrale ist in einem wirklich erbärmlichen Zustand und nach einem kurzen Blick in Matreus’ geradezu widerlich glückliches Gesicht malt er ein Z in den Staub auf dem Tisch und meint: „Wenn ihr dann fertig seid mit der Gefühlsduselei, sollten wir uns mal allmählich Gedanken darüber machen, wie es jetzt weitergehen soll.“

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24 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 2:49 pm


Zanrelot sieht Matreus dabei zu, wie er freudestrahlend in der Zentrale herumwuselt und saubermacht. Hm, es muss wirklich etwas dran sein, an seinem früheren Verdacht, dass allein schon seine Anerkennung Matreus regelrecht beflügeln kann.

Als Matreus und Jona ihm auf seinen Stuhl helfen, ist er ihnen sehr dankbar dafür. Er thront wirklich viel lieber an seinem angestammten Platz, als auf dem Boden herumzuhocken. Das Glas Elixier, welches Matreus ihm reicht, trägt noch zusätzlich dazu bei, dass er sich allmählich besser fühlt. Er schielt nach dem Macht-o-Meter, das noch völlig verstaubt ist, und ist für einen kurzen Moment versucht, seine Hand darauf zu legen. Doch dann verzieht er seinen Mund zu einem säuerlichen Lächeln und meint: "Damit warte ich wohl besser noch." So lange es ihn noch Mühe kostet, seine Hand auch nur bis dorthin zu heben, muss er sich das Ergebnis echt nicht antun!

Sein Blick folgt Jonas Finger, der ein Z in den Staub malt. Die Worte seines Sohnes bringen ihn dann aber doch ein wenig aus der Fassung. Wie redet der denn mit ihm? "Wenn wer fertig ist mit der Gefühlsduselei?", fragt er, "wir? Also mich eingeschlossen? Ich habe mich wohl verhört, mein Sohn! Achte bitte ein wenig auf deinen Tonfall." Er guckt auf seine unnachahmliche Art pikiert.

In einem Punkt hat Jona aber Recht: Es wird Zeit, sich konkrete Gedanken über die Zukunft zu machen. Zanrelot seufzt. Er fühlt sich noch so gar nicht in der Lage dazu. Nachdenklich streicht er mit einem Finger über das verstaubte Hamburger Stadtwappen. "Die Pläne mit dem Tor zur Welt vergessen wir wohl lieber erstmal", sagt er zaghaft und schaudert bei der Erinnerung an das Schicksal, das ihn und Jona dort ereilte.




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25 Re: Das Rollenspiel am Mo Dez 15, 2008 3:32 pm



Lux beobachtet sehr genau alles, was passiert. Als Matreus in ihrem Arm erwacht und sich als erstes zu seinem Meister schleppt, um ihm seine Ehrerbietung zu erweisen, schluckt sie an einem dicken Kloß an ihrem Hals herum. Und als Zanrelot ihm dann sozusagen seinen väterlichen Segen erteilt, bekommt sie ganz feuchte Augen. Sie hat halt etwas näher am Wasser gebaut, als reinrassige Feuerdämonen, verflixt.

Als der Meister dann endlich wieder auf dem ihm zustehenden Platz sitzt, könnte Lux vor Glück glatt nochmal... Also nein, so geht das nicht weiter! Entschlossen wischt sie sich mit dem Ärmel über die Augen.

Gegen Rührseligkeit hilft nichts besser als Zorn, und insofern ist Jona ihr gerade eine große Hilfe. Wie der mit seinem Vater redet, ist ja wohl wirklich das Allerletzte! Was denkt der sich? Etwa, dass er die Macht übernehmen könnte, sobald sein Vater etwas schwächelt? Sie funkelt ihn wütend an, verkneift sich aber jeglichen Kommentar, da Zanrelot das selbst in die Hand nimmt. Stattdessen wirft sie Matreus einen bedeutungsvollen Blick zu.

Jona drängt darauf, sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll, woraufhin Zanrelot auf die alten Plänen mit dem Tor zur Welt zu sprechen kommt. Lux hält sich nun nicht länger zurück, sondern sagt, was sie über all das denkt: "Das Feuertor zur Welt, Meister,... was glaubt Ihr, warum selbst die urältesten Feuerdämonen es noch nicht durchschritten haben? Selbst die würden sich die Finger daran verbrennen! Wer auch immer dieses Ding geschaffen hat, hatte wohl grausame Absichten gegenüber Dämonen und Magiern, denn es ist gleichzeitig die größte denkbare Verlockung und die größte denkbare Gefahr. Setzt Euch ihr kein weiteres Mal aus, bitte! Es ist keine Schande, dieses Tor nicht zu durchschreiten, denn kein noch so großer Magier hat es geschafft. Keine Schande also, sondern ein Zeichen von Weisheit."

Wo sie schon einmal dabei ist, spricht sie noch weitere Gedanken aus: "Überhaupt, Hamburg! Eure ureigene Stadt ist Lübeck, Meister. Es konnte Euch, mit Verlaub, kein Glück bringen, sie zu verlassen. Wir Dämonen sind nun einmal an bestimmte Einschränkungen gebunden, etwa an bestimmte Formeln oder an die Buchstaben unserer Namen, aber eben auch an ganz bestimmte Orte. Dafür haben wir allen anderen Wesen auch wieder so vieles voraus!"

Sie geht neben Zanrelots Stuhl in die Hocke, sieht ihm von unten herauf ins Gesicht und spricht weiter: "Ich war in der alten Zentrale in Lübeck. Alles ist noch so, dass man sie mühelos wieder beziehen könnte. Dein altes Stadtmodell ist ganz verstaubt, aber es steht noch da und wartet auf dich, Zanrelot."

Sie beißt sich auf die Lippe. Na prima, nun ist ihr wieder spontan etwas Unkluges herausgerutscht! Eben hat Zanrelot sich noch darüber aufgeregt, wie sein Sohn mit ihm redet, und was macht sie? Duzt den Meister und spricht ihn mit seinem Vornamen an!

"Verzeihung, Meister!", stammelt sie, "ach, ich werde mich nie an dieses ganze 'Ihr' und 'Euch' gewöhnen, ich bin eben eine andere Generation als ihr alle. Ich meine es deshalb nicht weniger respektvoll! Tut mir leid..."

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