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Entscheidung in Neuseeland

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1 Entscheidung in Neuseeland am Di Apr 07, 2009 12:41 pm

Samira

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Admin
Lucy blickt Justin wütend an, als er ironisch bemerkt, bei seinen Genen werde ein Kind ganz bestimmt ein Monster. Und natürlich werde es auch deformiert, schrumpelig und geistig unterbelichtet sein, mindestens so wie sie beide. „Du kapierst aber auch gar nichts!“ faucht Lucy. „Ich dachte bis jetzt, nur Könige und eingebildete Adelige würden davon ausgehen, dass sie ein Anrecht auf ein strammes und gesundes erstgeborenes Kind hätten, das perfekte Ebenbild ihres Vaters! Wenn dann doch was nicht stimmt oder - was beinahe noch schlimmer ist - ein Mädchen zur Welt kommt, ist natürlich die Mutter schuld.“ Justins Beteuerung, dass er von der allfälligen Kinderbetreuung maximal 50% übernehmen würde, quittiert sie mit einem grimmigen Lächeln. „Ich hab ja nicht darum gebeten“, zischt sie leise und tippt auf ihren Bauch. „Aber ich werde dich beim Wort nehmen. Wie schön“, lacht sie freudlos, „dann sind wir ja für die nächsten Jahre abwechslungsweise voll beschäftigt.“ Ihr sarkastischer Ton lässt keinen Zweifel daran, dass egal wie die Aufteilung auch aussehen würde, es keine Kombination gab, die ihr gefallen hätte. Erleichtert, sich nicht weiter mit dem Dämonenbalg in der Panterschen Kuriositätenmenagerie abgeben zu müssen, verlässt sie den Unterrichtsraum. Einen Moment bleibt ihr Blick an den überaus gut aussehenden Dämonen Caym, Mephistopheles und Zaebos hängen. Was würde sie darum geben, jetzt einfach in eine andere Existenzebene abzuhauen.

Justin schaut Lucy irritiert an, als sie ihn wütend anschaut und ihn anfaucht, er würde gar nichts kapieren. Das tut er in der Tat nicht. Okay, er hätte sich vielleicht seine Ironie sparen sollen, aber muss sie ihn deshalb mit einem eingebildeten Adligen auf eine Stufe stellen? „Ich käme nie auf die Idee, dir die Schuld für Aussehen oder Geschlecht zu geben“, sagt er leise. „Zufälligerweise ist mir sogar bekannt, dass das Geschlecht vom Mann bestimmt wird.“ Aber Lucy schlägt noch weiter um sich, indem sie unterstreicht, dass sie nicht darum gebeten hat, schwanger zu werden. „Siehst du? Noch etwas, woran du nicht schuld bist. Wenn deine Eltern also jemanden hinrichten wollen, dann dürfen sie sich ganz auf mich beschränken“, antwortet er ironisch und beißt sich gleich darauf auf die Zunge. „Tut mir leid“, sagt er zerknirscht. „Ich sage nur so einen Mist, weil ich so nervös bin.“ Auf Lucys Bemerkung, dass sie in den nächsten Jahren dann abwechslungsweise voll beschäftigt seien, seufzt er über ihren sarkastischen Tonfall. Wenn überhaupt, wäre es ihm lieber, wenn sie diese Aufgabe irgendwie gemeinsam meistern könnten. Aber er möchte Lucy nicht noch mehr reizen und sagt daher nur: „Noch besteht ja die Hoffnung, dass wir uns darüber bald keine Gedanken machen müssen.“ Am Ende der Stunde ist Justin nicht ganz so enthusiastisch wie sonst. Jetzt wird es ernst, die Reise nach Neuseeland steht unmittelbar bevor. Schweigend geht er neben Lucy her und verstaut die Schultaschen später im Geheimgang. Den eifrig herbeiwuselnden Dumpy entlässt er mit einer knappen Handbewegung und der trollt sich mit hängenden Ohren. Justin zieht die Schuluniform aus und Freizeitkleidung an und wartet, bis Lucy sich ebenfalls für die Reise fertiggemacht hat. Dann fragt er sie: „Wie reisen wir eigentlich, per Portschlüssel oder nehmen wir Flohpulver?“

Lucy ist selbstverständlich nicht davon ausgegangen, dass Justin ihr irgendwelche Schuld bezüglich Aussehen oder Geschlecht eines Babys geben würde. In der Bemerkung, in ihrem Bauch könnte ja vielleicht ein Monster heranwachsen, das dem Dämonenschreihals ähnlich sieht, verbarg sich die Furcht davor, das Kind könnte missgebildet sein. Ein solches wiederum war in früheren Zeiten für einen Mann sehr oft der „Beweis“, dass dieses Kind unmöglich von ihm gezeugt worden sei. Aber ein männliches Wesen hat natürlich keine Ahnung von solch tief sitzenden Urängsten. Lucy ist aber müde und resigniert von den anhaltenden nervtötenden Spannungen und murmelt nur: „Ich wollte ja nur sagen, dass auch wir überhaupt nicht davor gefeit sind, ein behindertes oder missgestaltetes Kind in die Welt zu setzen. Aber du hast recht, noch besteht ja Hoffnung, dass wir uns darüber bald keine Gedanken machen müssen.“ Als Justin fragt, ob sie per Portschlüssel reisen oder Flohpulver nehmen würden, weiß sie erst auch keine Antwort und sagt spitz: „Wie wär’s mit einem Kinderwagen?“ Mit Flohpulver ist sie auf jeden Fall noch nie über die Kontinente hinweg gereist und sie ist sich nicht mal sicher, ob es in Hogwarts überhaupt einen Kamin gibt, der den Schülern zugänglich ist, sonst würden die Schüler doch ständig abhauen. Und natürlich hat Lucy es auch versäumt, einen internationalen Portschlüssel zu beantragen. Na super. „Hiergeblieben“, ruft Lucy dem Elfen hinterher, der sich gerade mit hängenden Schlappohren davon trollt. „Und nimm gefälligst etwas Haltung an und halt die Ohren steif“, tadelt sie ihn. Dann erklärt sie dem Elfen das Problem. Dumpy platzt beinahe vor Stolz über den Auftrag, seine Herrschaften nach Neuseeland auf die Kiwi-Farm der Bings zu transportieren. Auch Missy Lucys drohende Bemerkung, „ - und wehe, du landest mitten im Kiwi-Mist!“ kann seine Freude über die Reise ans Ende der Welt nicht trüben und er gelobt feierlich und mit treuherzigem Blick, dass er das ganz bestimmt nicht tun werde. Die Reise war fürchterlich. Wie Blätter im Sturm torkelten sie scheinbar ziellos rund um den Globus. Regen, Hagel und orkanartiger Winde erschwerten die Reise und zwangen sie zu Zwischenlandungen. Fast wäre alles abrupt zu Ende gewesen, als sie beinahe mit einem Flugobjekt unbekannter Art zusammenprallten. Dass sie jetzt schließlich doch genau mitten im Kiwi-Mist landen, ist also objektiv betrachtet noch das geringste Übel dieser missratenen Fahrt. Missy Lucy - im Gesicht so grün wie der Elf persönlich - schreit Dumpy an und droht ihm mit Flüchen, von denen er noch nie gehört hat, während sich der kleine Hauself zitternd den Dreck aus dem Gesicht wischt.

Justin versteht endlich, was Lucy meint, als sie davon spricht, dass man nicht davor gefeit ist, ein behindertes oder missgestaltetes Kind in die Welt zu setzen. „Ach so“, murmelt er wenig geistreich. Über eine solche Möglichkeit hat er wirklich noch nicht nachgedacht und er ist froh, dass das Thema nicht weiter vertieft wird. Dafür stellt sich jetzt die Frage, wie sie überhaupt nach Neuseeland kommen. Lucy schlägt etwas spitz einen Kinderwagen vor und Justin verzieht ein wenig das Gesicht bei der Erinnerung an die Zauberkunst-Stunde. Es stellt sich heraus, dass eine Reise per Kamin nicht infrage kommt und auch kein Portschlüssel zur Verfügung steht. Und nun? Lucy hat den rettenden Einfall und ruft Dumpy herbei, den Justin bereits weggeschickt hatte. Er bekommt den Auftrag, mit Lucy und Justin nach Neuseeland zu apparieren und der Elf platzt fast vor Stolz. Justin ist zwar skeptisch, aber sie haben ja keine andere Wahl. Die Reise ist so ziemlich die Schlimmste, die er je erlebt hat. Nicht nur, dass sie total durchgeschüttelt, von Windböen herumgeschleudert, vom Regen durchnässt und von Hagelkörnern blau geschlagen werden, sie müssen sogar mehrmals eine Zwischenlandung einlegen, sodass sie einige Stunden brauchen, um endlich in Neuseeland anzukommen. Genau genommen ist es durch die Zeitverschiebung bereits Morgen, als sie endlich ihr Ziel erreichen. Das hätte Justin noch verkraften können, wären sie direkt in der gemütlichen Küche der Bings gelandet, auf dem bestimmt bereits der Tisch gedeckt ist und sich unter der üblichen Last von Köstlichkeiten biegt, aber nein, sie müssen, trotz Lucys ausdrücklicher Warnung, direkt in einem großen Haufen Kiwi-Mist landen. Justin, dessen Nase schon ganz vergessen hatte, wie übel das Zeug stinkt, wird ungefähr genauso grün im Gesicht wie Lucy, und während sie Dumpy einen Fluch nach dem anderen androht, gräbt Justin sich fluchend aus dem Mist heraus. Angewidert zieht er den Zauberstab hervor und reinigt Lucy und sich selbst und widerstrebend auch Dumpy. Am Ende kommt der noch mit ins Haus und verteilt dort den Kiwi-Mist. Als das alles erledigt ist, lässt er Lucy sich noch zu Ende austoben und greift schließlich nach ihrer Hand. „Komm, lass es uns hinter uns bringen“, sagt er leise und ziemlich unsicher und geht mit ihr zum Haus hinüber. Als er mit Lucy die Küche betritt, ist bereits die ganze Familie anwesend. Seine Hand krampft sich um die von Lucy und das Herz rutscht ihm gewaltig in die Hose. All sein Mut und seine Zuversicht verlassen ihn und seine Zunge scheint verknotet zu sein. Mühsam reißt er sich zusammen und lächelt verlegen. „Guten Morgen, allerseits, da sind wir“, sagt er leise und schüchtern. „Ähm, wir sind gekommen, weil …“ er bricht ab und sieht Lucy hilflos an, dann macht er noch einen Anlauf. „Also, wir brauchen Hilfe.“ Noch leiser ergänzt er: „Ich hab Scheiße gebaut und Lucy in eine ziemlich … prekäre Lage gebracht.“

Lucy lächelt in die Runde und sagt leise: „Hallo“. Bis auf ihren ältesten Bruder Danny, der nun verheiratet ist und in einem eigenen Haus wohnt, sitzen alle um den Tisch versammelt. Ihre Mum und ihr Dad stehen freudig auf und begrüßen Lucy und Justin gewohnt herzlich. Dumpy hat mit einem sicheren Gespür das Knie von Eddie angepeilt und drückt sich schutzsuchend an den stillen jungen Mann. Billy mustert die beiden von der Reise arg Durchgeschüttelten mit einem kritischen Blick und bemerkt mitleidig: „War wohl nicht gerade die Reise im Ersteklasseabteil!“ Während Justin die Familie begrüßt und dann erklärt, dass sie gekommen sind, weil sie Hilfe brauchen, grinst Pete bereits neugierig. Justin sagt, er hätte Scheiße gebaut und Lucy in eine ziemlich prekäre Lage gebracht. Pete ermuntert ihn ungeduldig: „Na sag schon, Mann! Habt ihr was ausgefressen und seid getürmt? Müsst ihr gar wieder in den Knast?“ Kathy weist ihren Sohn mit einem tadelnden „Pete!“ zurecht, während Lucy ihren Bruder mit einem giftgrünen Blick zornig anblitzt. „Halt die Klappe!“ Pete verschränkt die Arme, grinst süffisant und meint: „Ach komm schon Schwesterchen. Du weißt doch, wir halten zusammen. Nun sag schon, was los ist!“ Lucy holt Luft und platzt in die neugierige Stille: „Ich bin schwanger.“ Jetzt ist sogar Pete einen Moment lang sprachlos. Dann bemerkt er trocken: "Na bitte, das ist ja sozusagen wie Knast - lebenslänglich."

Justin schaut unsicher in die Runde, als Lucys Familie wissen möchte, was los ist. Pete kommt sogar auf die Idee, sie könnten auf der Flucht sein und will wissen, ob sie gar wieder in den Knast müssen. Schließlich macht Lucy den Vermutungen ein Ende und erklärt das Problem mit nur drei auf den Punkt gebrachten Worten. Die Stille, die nach diesen Worten folgt, so kurz sie auch andauert, lastet schwer auf Justins Nerven. Und Petes schließlich folgende Bemerkung, Lucys Schwangerschaft sei sozusagen wie Knast, und zwar lebenslänglich, macht es nicht gerade besser. Justin schaut Lucys Eltern Hilfe suchend an. „Deswegen sind wir hier, damit es nicht als lebenslänglicher Knast endet.“ Er blickt unbehaglich zu Boden. „Ich habe Lucy versprochen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Entscheidung zu respektieren, egal wie sie ausfällt. Wir haben ausgiebig darüber gesprochen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir noch zu jung sind, um Eltern zu werden. Sein Blick wird geradezu flehend. „Es gibt doch bestimmt eine Möglichkeit, wie wir das irgendwie … umgehen können? Es wird allerdings allerhöchste Zeit, Lucys Zustand dauert nämlich schon eine Weile an.“

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2 Re: Entscheidung in Neuseeland am Sa Mai 16, 2009 2:06 am

Nachdem Lucy erklärt hat, sie sei schwanger, breitet sich für einen Augenblick eine unwirkliche Stille aus. Pete ist der Erste, der seine Sprache wiederfindet und einen saublöden Kommentar abgibt. Er bemerkt nämlich, dass ein Kind zu kriegen - oder die Folgen davon - in etwa dasselbe wäre wie lebenslänglicher Knast. Justin entgegnet, dass sie genau dies vermeiden wollen und nun nach einer Möglichkeit suchen, dieses Problem irgendwie zu umgehen. Pete gibt gutgelaunt etwas zum Besten, das klingt wie „ - an allem Unglück auf der Welt sind doch einzig und allein die Weiber schuld - “ und Lucy zischt zurück: „Da irrst du dich aber gewaltig! Es rührt nämlich daher, dass der Mann auch nicht mal ausnahmsweise für nur eine Sekunde lang die Finger von den Frauen lassen kann.“

Noch bevor Mum mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldet die interessante Unterhaltung unterbricht, hat Billy den Mund seines vorlauten Bruders mit einem Schweigezauber verschlossen und erklärt vergnügt: „Für diese Beleidigung gibt es nur eine Möglichkeit der Wiedergutmachung, Pete! Du wirst Pate des Kindes und nimmst es regelmäßig in deine Obhut.“ Lucy holt Luft um etwas zu erwidern, doch Billy ist bereits aufgestanden und verlässt die Küche. Pete folgt ihm stumm gestikulierend. Eddie nimmt den verstörten Dumpy an der Hand und verlässt mit dem Hauselfen ebenfalls leise die Küche. Zurück bleiben Mum und Dad, Lucy und Justin.

Was dann folgt, hat das Zeug zum Alptraum. Es gibt eben Dinge im Leben, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Lucys Heulkrämpfe und Wutausbrüche wechseln ab mit Phasen stummer Resignation. „Manchmal ist die Entscheidung selbst der Fehler“, meint Mum einmal. Nach mehrstündigem Gespräch mit kurzen Unterbrechungen für eine Tasse Tee erläutert Mum den beiden ihre Idee, wie Lucy hier in Neuseeland ihr Baby bekommen und dann ihre Ausbildung in Hogwarts beenden kann. Lucy hat ohnehin nicht vor, jemals wieder nach Hogwarts zurückzukehren.

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3 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mo Mai 18, 2009 1:19 am

Justin senkt betreten den Blick, als Lucy Pete anzischt, dass ihr Unglück daher rührt, dass Justin seine Finger nicht von ihr lassen konnte. Er kann auch nicht darüber lachen, dass Billy Petes Mund mit einem Schweigezauber verschließt und ihn als Genugtuung zum Paten des Kindes erklärt. Aber es kommt noch schlimmer, denn auf einmal stehen Lucys Geschwister auf und verlassen mit Dumpy den Raum. Nur Lucys Eltern, Lucy und er selbst bleiben in der Küche zurück.

Die nächsten Stunden erlebt Justin wie in Trance. Er erträgt Lucys Wutausbrüche klaglos, versucht sie zu trösten, wenn sie Heulkrämpfe bekommt und schweigt neben ihr, wenn sie resigniert. Justin ist irgendwann völlig am Ende und es fällt ihm schwer zu begreifen, dass alles darauf hinläuft, dass sie das Kind werden bekommen müssen. Lucys Mum hat jedenfalls keine Möglichkeit in petto, die Schwangerschaft noch rasch zu beenden, sondern nur eine Idee, wie sie es bekommen können und ihre Ausbildung hinterher in Hogwarts beenden können. Justin, der sich zwangsläufig allmählich damit abfindet, Vater zu werden, schaut Lucys Mum an. „Und, was wäre das für eine Idee wäre das?“, fragt er resigniert.

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4 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mo Mai 18, 2009 2:37 pm

Was Lucys Mum darauf antwortet, ist wohl nicht gerade das, was die beiden jungen Leute eigentlich hören wollten. Lucy starrt ihre Mum ungläubig an, als diese erklärt: „Ihr wärt wohl am Anfang hoffnungslos überfordert, bereits selber einen Haushalt zu führen und alleine für das Baby zu sorgen. Darum werden wir euch in den nächsten Monaten tatkräftig unterstützen.“ Mum und Dad blicken sich strahlend an, bevor Mum weiterfährt: „Bis zur Geburt ist nun noch reichlich Zeit für die nötigen Vorbereitungen.“ Lucy rutscht unruhig auf dem Stuhl hin und her. Ihr Vater, sichtlich erleichtert darüber, der schwierigen Unterhaltung entfliehen zu können um stattdessen etwas Handfestes zu tun, steht auf und murmelt: „Ich bin dann mal im Estrich, da steht doch noch die Wiege von unsern Jungs.“ Während ihr Vater die Küche verlässt, ruft Lucy ihm hinterher: „Vorbereitungen, Wiege, was zum Teufel - “ Doch Mum erklärt bestimmt: „Ihr werdet natürlich einen Kurs für werdende Eltern besuchen: Geburtsvorbereitung, Säuglings-pflege und so weiter.“ Schon hat sie die Zeitung in der Hand und sucht die Seite mit den entsprechenden Veranstaltungen und Angeboten. Lucy stöhnt leise auf.

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5 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mo Mai 18, 2009 5:36 pm

Justin fühlt sich reichlich unbehaglich, als Lucys Mum vorschlägt, dass die Familie sie in den nächsten Monaten tatkräftig unterstützt. Nachdem Lucy und er so lange unabhängig in ihrem Geheimgang gelebt haben, kann er sich nur schwer vorstellen, dass jemand ständig da ist, um ihnen über die Schulter zu gucken, ob sie auch ja alles richtig machen. Lucs ungläubiger Blick zeigt ihm, dass Lucy wohl ganz ähnlich empfindet, aber Lucys Eltern strahlen sich geradezu an und es scheint, als würden sie sich über diese Aufgabe auch noch freuen. Und obwohl laut ihrer eigenen Aussage noch reichlich Zeit bis zur Geburt ist, steht Lucys Dad gleich auf, um die Wiege zu holen, in der schon die Söhne der Bings gelegen haben. Lucys Einwand wird überhaupt nicht beachtet, der Vater ist schon zur Tür hinaus und Lucys Mum erklärt, dass sie einen Kurs für werdende Eltern besuchen sollen, in dem sie Geburtsvorbereitung, Säuglingspflege und so weiter lernen sollen. Justin starrt Lucys Mum fassungslos an, während Lucy leise aufstöhnt und ihre Mum schon die Zeitung aufschlägt, um nach Kursen zu suchen. Er ringt nach Worten und stößt schließlich hervor: „Ich kann doch nicht in so einen Kurs gehen! Ich käme mir reichlich blöd vor, mit Lucy um die Wette zu hecheln und irgendwelche Puppen durchs Wasser zu ziehen und Windeln drumzuwickeln. Ich meine, das muss doch nicht sein. Es gibt doch bestimmt andere Möglichkeiten, so was zu lernen, als ausgerechnet in so einem Kurs, wo noch so viele andere Leute dabei sind.“ Hilflos-flehend sieht er Lucys Mum an, ob sie nicht noch irgendeine andere Lösung auf Lager hat.

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6 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Mai 20, 2009 8:03 am

Lucy hat inzwischen jede Hoffnung aufgegeben, dass sich an ihrem Schicksal noch etwas ändern könnte und ein Blick in das entschlossene Gesicht ihrer Mum zeigt, dass sie auch guten Grund dazu hat. „Lasciate ogni speranza“, murmelt Lucy resigniert. Wie kann man ‚guter Hoffnung’ sein, wenn man gleichzeitig keine Hoffnung mehr hat? Welch ein Widerspruch! Das kommt davon, wenn man seinem Erzfeind in die Hölle folgt und dort eine Freundschaft auf Leben und Tod schließt. Lucys ambivalente Gefühle werden aber noch viel härter auf die Probe gestellt, denn Justin macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Kurse über Geburtsvorbereitung und Säuglingspflege und verkündet, er käme sich reichlich blöd vor, mit Lucy um die Wette zu hecheln! „Es verlangt ja keiner von dir, dass du gleich selber das Kind kriegst!“, zischt Lucy ihm zu. Und natürlich mag er auch nicht mit Puppen Windeln wechseln üben. Als ob Lucy Lust dazu hätte! Sie hat in ihrem ganzen Leben noch nie mit Puppen gespielt und hat auch gar nicht im Sinn, jetzt damit anzufangen. Jedoch fühlt sie sich von Justin in die Enge getrieben und sieht sich bereits, wie sie zukünftig tagtäglich mehrmals einem energisch schreienden Kleinkind völlig entnervt die dampfende Windel wechseln muss. „Ich hab Lucy versprochen, Verantwortung zu übernehmen“, zitiert sie Justin in seinem eigenen Tonfall und verdreht genervt die Augen. „Ich seh’ schon ganz genau, wie du dir diese Rollenverteilung ausmalst: Du trägst die Verantwortung und ich darf mich um den Rest kümmern.“ Lucy verschränkt energisch die Arme.

Mum lächelt ihre beiden Kinder nachsichtig an. Die Nerven der jungen Menschen liegen blank und bei Lucy sorgen die Hormone zusätzlich dafür, dass ihre Gefühle Achterbahn fahren. Etwas Abwechslung kann also nicht schaden. Außerdem müssen die beiden die Konsequenzen ihres Tuns allmählich akzeptieren und sich mit den Tatsachen, die daraus folgen und auf sie zukommen, auseinandersetzten. Außerdem lernen sie dort andere kennen, die in derselben Lage sind. Sie schiebt die Zeitung zu Justin und tippt auf eines der Inserate: „Und wie wär’s denn damit? Allerdings beginnt dieser Kurs … bereits heute Nachmittag!"

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7 Re: Entscheidung in Neuseeland am Do Mai 21, 2009 6:15 pm

Justin sieht Lucy ein wenig schuldbewusst an, als sie ihn anzischt, es würde ja keiner von ihm verlangen, das Kind gleich selbst zu bekommen. Tatsächlich ist Lucy in der weitaus übleren Situation. Und als sie ihn dann noch an seine Worte erinnert, dass er ihr versprochen hat, Verantwortung zu übernehmen und sie sich die Rollenverteilung ausmalt, dass er tatsächlich nur die Verantwortung trägt und sie sich dann um den Rest kümmern darf, stöhnt er leise und gequält auf. Natürlich wäre es ihm so am liebsten, aber so wird es wohl kaum enden. Lucys energisch verschränkten Arme verkünden deutlich, dass sie darauf bestehen wird, dass er seinen Anteil an Pflegearbeit leistet. Und da Lucys Mum ausdrücklich ihn mit eingeschlossen hat beim Besuch eines solchen Kurses, wird Lucy in ihr wohl eine Verbündete haben. Justin traut Lucys Mum sogar zu, dass sie ihn wieder am Küchentisch festmacht und erst wieder freilässt, wenn er sich fügt. Als Lucys Mum ihm die Zeitung rüber schiebt und auf eine der Anzeigen tippt, gibt er seinen Widerstand auf und wirft einen Blick auf das Inserat. Allerdings verschlägt es ihm geradezu die Sprache, als er hört, dass der Kurs schon an diesem Nachmittag beginnen soll. Justin seufzt resigniert. „Okay, dann geh ich halt mit“, murmelt er und liest sich die Anzeige genauer durch. Da ist die Rede von praxisorientierten Übungen, von Techniken, die für die Geburt nützlich sein sollen und von Wissenswertem rund ums Baby und um die Schwangerschaft. Justin legt die Zeitung wieder hin. „Klingt ja ganz in nützlich“, meint er und schiebt die Zeitung Lucy hin. „Was meinst du dazu?“

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8 Re: Entscheidung in Neuseeland am Fr Mai 22, 2009 3:00 am

Lucy erkennt an Justins Tonfall sofort, dass er in etwa genau so begeistert ist wie sie selbst, einen dieser gottverdammten Kurse zu besuchen. Aber gegen Mum haben sie nicht mal zu zweit eine Chance! Nachdem Justin das Inserat gründlich studiert hat, findet er plötzlich, dass das ganz nützlich klinge und schiebt ihr die Zeitung rüber mit der Frage, was sie denn dazu meine. Lucy rümpft die Nase und schnaubt: „Klingt irgendwie ähnlich wie ‚Pflege magischer Geschöpfe’. Aber was sein muss, muss sein.“ Sie zuckt die Schultern und fügt sich scheinbar dem Unvermeidlichen. Heimlich stellt sie sich jedoch vor, wie sie gemeinsam in die Stadt fahren, den Kurs schwänzen und stattdessen ins Kino gehen oder sonst was Unterhaltsames unternehmen. Mum breitet aber bereits eine ganze Palette weiterer Aktivitäten vor ihnen aus, denen sie in den nächsten Tagen nachgehen sollen. „Ihr müsst natürlich auch zu einer Heilerin gehen. Glaubt mir, wenn ihr erst mal ein Bild von diesem Winzling gesehen habt, dann betrachtet ihr das alles mit ganz andern Augen!“ Und so geht es noch eine ganze Weile lang weiter. Lucy sitzt wie gelähmt da. Die Erkenntnis, dass Arztbesuche, Vorbereitungskurse, Einkaufen von Kindersachen und weiß der Geier was sonst noch alles in den nächsten Wochen ihr Leben bestimmen sollen, findet sie gar nicht cool. Sie hat sich niemals vorgestellt, so abrupt in die Zukunft katapultiert zu werden.

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9 Re: Entscheidung in Neuseeland am Fr Mai 22, 2009 7:24 pm

Justin grinst ein wenig, als Lucy findet, dass der Kurs so ähnlich wie ‚Pflege magischer Geschöpfe’ klingt. „Dann wirst du bestimmt Kursbeste“, meint er. „Immerhin hat die Flamel dir doch bescheinigt, dass du ein Händchen für komplizierte Wesen hast.“ Aber mit dem Besuch dieses Kurses ist es immer noch nicht getan. Lucys Mum empfiehlt den Besuch bei einer Heilerin, bei der sie auch ein Bild von dem Winzling zu sehen bekommen sollen. Sie ist der Meinung, dass sie dann alles mit anderen Augen sehen. Klar, dann können Sie sich vorstellen, wie es in Lucys Bauch aussieht. Aber ob das an den Gefühlen was ändert? Justin kann sich das nicht so richtig vorstellen. Und weiter geht es, denn Lucys Mum hat noch mehr auf Lager. Sie erstellt praktisch schon die Einkaufslisten, was so ein Baby alles braucht und Justin raucht bereits der Kopf. Er hätte nie geglaubt, dass so ein kleines Wesen so viel brauchen würde. Irgendwann schaut Justin heimlich auf die Uhr. Sie haben inzwischen mehrere Stunden hier in der Küche gesessen und er ist völlig geschafft. Und das Schlimmste ist, dass es schon fast Zeit für diesen Kurs ist. „Ich glaube, wir sollten dann langsam mal losgehen“, meint er. „Sonst fangen die noch ohne uns an.“ Er ergreift Lucys Hand und steht auf. „Du weißt doch bestimmt, wo das ist?“ Dass er nicht vorhat, dort überhaupt aufzutauchen, wird er hier vor Lucys Mum ganz sicher nicht aussprechen. Aber auf diese Weise kommen sie endlich aus dieser Küche raus.

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10 Re: Entscheidung in Neuseeland am Di Mai 26, 2009 11:37 pm

Lucy grinst Justin sardonisch an, als er meint, sie würde bestimmt Kursbeste, weil sie in Pflege magischer Geschöpfe stets ihr Händchen für komplizierte Wesen bewiesen habe. „Richtig“, stellt sie zufrieden fest. „Und im Gegensatz zu mir musst du also in diesem Kurs noch ganz viel üben!“ Die kleine Schadenfreude hebt Lucys Laune nur kurz, denn schon in Kürze sollen sie zu diesem verfluchten Kurs aufbrechen. Mum hat ihn verordnet, Punkt. Früher, bei den Lehrerinnen in ihrer alten Schule, hätte Lucy natürlich die Arme verschränkt und trotzig verkündet: „Das tu ich garantiert nicht“, oder: „Für so einen Mist verschwende ich meine Zeit bestimmt nicht“. Aber bei Mum ging so was schon damals nicht.

Justin ergreift Lucys Hand, weil er vermutet, sie wisse bestimmt, wo der Kurs stattfinde. Irgendwie hat Lucy das Gefühl, dass seine Besorgnis, dort nicht rechtzeitig einzutreffen, zu echt klingt um wahr zu sein. Aber sie lässt sich nichts anmerken, jetzt gilt es einfach, zusammenzuhalten wie Pech und Schwefel. Abhauen können sie dann immer noch... „Klar weiß ich…“, beeilt Lucy sich zu sagen.


„Kaum“, wirft Mum lächelnd ein. „Und wenn ihr noch lange suchen müsst“, meint sie freundlich zu Justin, „kommt ihr wirklich zu spät und die Kursleiterin beginnt ohne euch. Am Ende verpasst ihr noch das Wichtigste! Wie gut, muss ich sowieso noch einiges in der Stadt erledigen. Ich begleite euch selbstverständlich. - Kommt zum Kamin, am einfachsten reist man mit Flopulver!"

Als die drei den magischen Kamin im Hinterzimmer einer Gaststube in der Zauberergasse von Auckland verlassen und auf die belebte Hauptstrasse hinaustreten, zeigt Mum auf ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite und erklärt: „Dort drüben ist das HFM-Zentrum. Fragt beim Empfang einfach nach Miss Nanny McPherson. Wir treffen uns nach dem Kurs genau hier wieder. - Viel Spaß!“:
sunny

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11 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Mai 27, 2009 4:00 pm

Justin verzieht gequält das Gesicht, als Lucy feststellt, dass er in diesem Kurs noch ganz viel üben muss, da ihm, im Gegensatz zu ihr, kein Händchen für komplizierte Wesen bescheinigt wurde. Am liebsten würde er sagen, dass er es doch eigentlich gar nicht lernen muss, wenn sie es doch sowieso besser kann als er, aber er schluckt die Bemerkung herunter. Vater zu werden und Verantwortung zu übernehmen heißt wohl wirklich mehr, als einfach da zu sein. Also wird er wohl oder übel in den sauren Apfel beißen müssen und auch im Pflegebereich seinen Anteil leisten. Aber muss man dafür gleich so einen dämlichen Kurs machen? Für Justin steht fest, dass er alles versuchen wird, darum herumzukommen. Und bestimmt weiß Lucy genau, wie sie seinen Eifer, nicht zu spät kommen zu wollen, verstehen muss. Ganz bestimmt sogar, denn sie versichert sofort, dass sie weiß, wo dieser Kurs stattfindet. Sie werden natürlich beide niemals dort eintreffen. Justins Erleichterung hält nur kurz an, denn Lucys Mum besteht darauf, sie zu begleiten. Das macht es schwieriger, den Kurs zu schwänzen, aber doch hoffentlich nicht unmöglich. Er folgt mit Lucy an der Hand ihrer Mum zum Kamin und kurz darauf stehen sie vor dem Zentrum, in dem der Kurs stattfindet. Lucys Mum erklärt, dass sie nach Nanny McPherson fragen sollen und Justin drückt verschwörerisch Lucys Hand. „Dann lass uns mal reingehen“, sagt er mit aufgesetzter Fröhlichkeit und betritt kurz darauf mit ihr das Zentrum. Lucys Mum wäre sowieso nicht gegangen, bevor sie nicht gesehen hätte, dass sie reingegangen sind, da ist Justin sich sicher. Er schaut sich gar nicht erst großartig um, sondern beobachtet heimlich, ob Lucys Mum geht. Eine Stimme lässt ihn herumfahren und er blickt in das Gesicht einer unglaublich hässlichen Frau. In ihrem Gesicht finden sich einige Warzen und sie hat hervorstehende Zähne. Sie stützt sich auf einen Stock und fragt liebenswürdig: „Ich bin Nanny McPherson. Ihr kommt bestimmt, um am Kurs teilzunehmen.“ Sie wirft Lucy einen prüfenden Blick zu und lächelt. „Natürlich, ich sehe doch sofort, wenn ein freudiges Ereignis sich anbahnt. Tretet nur ein, es geht gleich los.“ Justin tritt ein wenig unbehaglich auf der Stelle und schaut wieder nach draußen, ob Lucys Mum immer noch da steht, aber sie ist inzwischen verschwunden. Erleichtert atmet er auf und sagt: „Ähm, das ist nur ein Missverständnis, wir hatten nicht vor, an einem Kurs teilzunehmen, nicht wahr, Lucy? Also, wir gehen dann mal wieder.“ Justin zieht Lucy auf die Tür zu und wispert ihr ins Ohr: „Lass uns schnell verschwinden und uns die Zeit mit angenehmeren Dingen vertreiben.“

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12 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Jun 03, 2009 10:41 pm

Lucy fängt schon an, sich zähneknirschend mit dem Verlust ihres gesamten bisherigen Lebens abzufinden. Was bleibt ihr denn anderes übrig? Ihre ansonsten ganz brauchbare Methode, über Probleme großzügig und mit einem gewissen Stolz einfach hinwegzuschreiten - sprich: ihnen keine Beachtung zu schenken - funktioniert bei ihrem akuten Problem ganz und gar nicht. Auch das übliche Vorgehen für hartnäckige oder gar hoffnungslose Angelegenheiten - also schlicht verdrängen und vergessen - scheint nicht angesagt. Ihr wachsender Bauch würde sie in nächster Zeit gründlich am Vergessen hindern! Aber ein anderer Mensch zu werden ist noch lange kein Grund, um an einem bescheuerten Kurs teilzunehmen! Lucy und Justin bleibt jedoch nichts anderes übrig, als ohne zu murren mit Mum in die Stadt zu reisen, wo sich Lucy mit unschuldigem Blick von ihrer Mum verabschiedet. Mit dem sicheren Gefühl, dass auch Justin null Interesse daran hat, Teilnehmer einer solch unsinnigen Übung zu werden, wird sie nun einfach die nächstbeste Gelegenheit ergreifen, sich mit ihm davonzumachen.

Doch kaum hat Justin sich vergewissert, dass Mum verschwunden ist, steht die McPherson, der personifizierte Kinderschreck vor ihnen und verkündet, dass sie sofort sehe, wenn sich ein freudiges Ereignis anbahne und der Kurs gleich losgehe. Lucy will schon protestieren, dass sie überhaupt nichts Freudiges an besagtem ‚Ereignis’ ausmachen kann, da erklärt Justin der Alten in höchst glaubwürdigem Ton, dass es sich um ein Missverständnis handle und sie nicht vor hatten, an einem Kurs teilzunehmen. „Nicht wahr, Lucy?“ An dieser Stelle muss wieder einmal erwähnt werden, dass Justin einst ein Gelübde ablegte, niemals zu lügen. Lucy grinst freundlich und bekräftigt: „Oh nein, das hatten wir ganz und gar nicht vor! Und es bahnt sich da auch überhaupt kein freudiges Ereignis an. Aber Sie müssen nun bestimmt schnell zu Ihren Kursteilnehmern!“ Lucy wird von Justin schon zur Türe hinausgezogen. „Das hätten wir ja grad noch knapp hingekriegt“, murmelt Lucy zufrieden.

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13 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Jun 17, 2009 1:02 am

Der richtige Augenblick um abzuhauen, falls ein solcher überhaupt je existierte, geht vorüber, ohne dass Lucy und Justin es geschafft hätten, die rettende Strasse zu erreichen und sich unter die flanierenden Menschen zu mischen. Die olle McPherson hält sie zurück und dirigiert die jungen werdenden Eltern ins Kurslokal. Lucys Nackenhaare sträuben sich, als die Alte auf ihren Bauch zeigt und von dem ‚Kleinen’ faselt, das sich darin tummelt. Ein Zustand der Glückseligkeit oder eine Art Verbindung zu diesem Wesen will sich in Lucy beim besten Willen nicht einstellen! Widerwillig betritt sie das Kurslokal. Ihre Miene verfinstert sich beim Anblick der andern Kursteilnehmer. Frauen - allesamt viel älter als Lucy - mit gewölbten Bäuchen und rosigen Wangen strahlen glücklich mit ihren Partnern um die Wette. Lucy fühlt sich wie der berühmte bunte Hund… Und dann beginnt die McPherson auch schon mit dem ‚Unterricht’. Wenn Lucy sich bis zum heutigen Nachmittag einredete, dass kein Ereignis so schlimm ist, wie die Befürchtungen, die es vorausschickt, war sie auf dem Holzweg. Auf diesen Kurs trifft dieser Satz leider überhaupt nicht zu und alles schien darauf hinaus zu laufen, dass der Nachmittag einer Unterrichtseinheit bei der Flamel zum Verwechseln ähnlich sah: Ein kompliziertes schreiendes Wesen muss gefüttert werden und die Alte schaut zu, wie die Teilnehmer damit klarkommen. Lucys Nerven beginnen beim immer lauter werdenden Babygebrüll zu flattern. Glücklicherweise übernimmt Justin sofort die Aufgabe, eines der Fläschchen zu erwärmen und fragt Lucy, ob das wohl richtig sei so. Das Fläschchen ist natürlich viel zu heiß! Lucy runzelt die Stirn und sagt sarkastisch: „Einem Goldfisch hinter der Aquariumswand das Grosse Hexeneinmaleins beizubringen, wäre wohl einfacher…“ Mit einem Zauberstabschlenker und dem Spruch für ‚Körpertemperatur’ kühlt sie das Fläschchen wieder etwas ab. Dann drückt sie Justin das Fläschchen in die Hand und meint mit einem aufmunternden Lächeln: „Nur zu, jetzt sollte es gut sein.“ Mit einem taxierenden Seitenblick auf das brüllende Kind fügt sie leise hinzu: „Und sonst hilft bestimmt der Silencio.“

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14 Re: Entscheidung in Neuseeland am Do Jun 18, 2009 12:35 am

Justin wirft Lucy einen gespielt gekränkten Blick zu, als sie behauptet, einem Goldfisch könne man einfacher das Große Hexeneinmaleins beibringen, als ihm, ein Fläschchen auf die richtige Temperatur zu bringen. Dass er sich mit Absicht so dämlich anstellt, damit er um die lästige Aufgabe des Fütterns herumkommt, muss er ihr ja nicht unbedingt auf die Nase binden. Sie kümmert sich dann auch darum, die Milch auf Körpertemperatur zu bringen, aber leider kommt sie nicht auf die Idee, das Füttern auch gleich selbst zu übernehmen. Stattdessen drückt sie ihm das Fläschchen lächelnd und mit den Worten in die Hand, dass es jetzt gut sein sollte, und ansonsten helfe bestimmt der Silencio. Justin schaut das Fläschchen in seiner Hand und das Baby vor ihm genervt an. Die Versuchung, dem Schreihals den Silencio an den Hals zu hetzen ist wirklich verlockend, aber dann entscheidet er sich lieber dafür, ihm den Sauger in den Mund zu stopfen. Augenblicklich ist Stille, wenn man mal von den leisen, erstickt gurgelnden Geräuschen absieht, die von dem kleinen Wesen vor ihm ausgehen. Natürlich kommt er auch nicht auf die Idee, das Baby auf den Arm zu nehmen.

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15 Re: Entscheidung in Neuseeland am So Jun 21, 2009 4:20 pm

Lucy ist nicht aufgefallen, dass Justin sich bei der Aufgabe absichtlich etwas dämlich angestellt hat. Sie beobachtet zufrieden, wie er dem Babyimitat den Sauger des Fläschchens in den Mund steckt. Das Babyimitat streckt die Ärmchen aus, klammert seine Fingerchen um die Flasche und beginnt zu saugen. „Na siehst du, endlich Ruhe!“, flüstert sie Justin zu. Dann wandert ihr Blick durch den Kursraum und verweilt hier und dort auf einem der Paare, die sich allesamt um das schreckliche Ding kümmern, als gäbe es einen äußerst verlockenden ersten Preis für diese Aufgabe zu gewinnen. Natürlich sind es vorwiegend die weiblichen Hälften dieser Eheleute, welche die kleinen Übungsdinger mit süßschleimigen Koseworten umgarnen, als gälte es, die Liebe und Aufmerksamkeit der kleinen Wesen für sich allein und auf ewige Zeiten zu sichern. Wie Lucy das auf die Nerven geht! Bei Worten wie Schnuckelchen, Mäuschen und weiß der Geier was, schaut sie kurz Justin an und verdreht angewidert die Augen. „Das ist ja wie in Hogwarts“, murmelt sie verächtlich. „Eigentlich müsste man alle wegen hochgradiger Verblödung in St. Mungo einliefern.“

Für einen Moment verknüpft sich das Wort St. Mungo in ihrem Gehirn mit einer ganz bestimmten Person die für immer dorthin weggesperrt wurde - Jason O’Toole. Unangenehme Bilder und Erinnerungen werden explosionsartig aus den Tiefen des Vergessens in ihr Bewusstsein geschleudert. Jason ist genaugenommen Schuld an ihrem jetzigen Zustand! Wäre er in den letzten Ferien nicht nach Neuseeland aufgebrochen mit dem Ziel, Justin und Lucy zu kidnappen um sie auf niederträchtige Weise umzubringen, hätte Justin niemals den Blödsinn gemacht, Lucy zu schwängern. Logischerweise müsste man in der Kette der Ereignisse jedoch noch weiter zurück gehen und käme zum Schluss, dass Jasons Vater, das korrupte Richterschwein, welches nun in Askaban verrottet, Schuld an Jasons Wut trägt. Und warum kam es überhaupt zum damaligen Prozess? Natürlich wegen Justins Erzeuger, diesem hirnkranken Psychopathen! Lucy schnaubt leise und verflucht die ganze Bande: Jason und Charles O’Toole, Ryan Fergus… Wütend erkennt Lucy den Fehler in dieser Logik: Kausalität ist leider nicht die Lösung, denn dann wäre genaugenommen der Urknall die Ursache von allem Übel - was ja genauer betrachtet auch wieder stimmt.

Während Lucy in Gedanken in einer andern Zeit und in einem andern Raum war, hat das Objekt vor ihnen angefangen, verzweifelt zu strampeln und zu röcheln. Lucy reißt das Imitat an sich und entfernt den Sauger aus dem inzwischen ganz blau angelaufenen Gesicht. Ein kräftiger weißlicher Strahl schießt in hohem Bogen aus dem Mund des Babys und trifft Justin. Lucy beruhigt das röchelnde Kind, schüttelt den Kopf und zischt Justin zu: „Ein Sanpig würde dich jetzt mit einer duftenden Wolke beglücken!“ Lucy hat es kaum ausgesprochen, krümmt sich das Wesen, das sich in ihren Armen erstaunlich echt anfühlt, zusammen. Sehr eindeutige Geräusche auf der Rückseite des Imitates verraten, womit es sich gerade so angestrengt beschäftigt. Ein unangenehmer Gestank, der keinen Zweifel offen lässt, verbreitet sich. Lucy lässt Justin nur kurz Zeit, den Schwall Erbrochenes von sich zu entfernen und drückt ihm das Imitat in den Arm. „Ich habe diesem Ding gerade den sicheren Erstickungstod erspart. Jetzt bist du wieder dran.“ Rolling Eyes

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16 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Jun 24, 2009 8:54 pm

Justin ist ganz Lucys Meinung, dass diese ganzen liebevollen zukünftigen Eltern wegen hochgradiger Verblödung in St. Mungo eingeliefert gehören. „Da hast du wirklich recht“, murmelt er. „Dabei sind die Dinger nicht mal echt.“ Dass Lucy für eine Weile etwas abwesend wirkt, fällt ihm genauso wenig auf, wie die Tatsache, dass sein Babyimitat fast erstickt. Das fällt allerdings Lucy auf, die das Ding an sich reißt und den Sauger aus dem Mund zerrt. Es war wohl wirklich ein bisschen zu viel Milch, die das Ding abgekriegt hat, denn die schießt im hohen Bogen auf Justin zu und saut ihn von oben bis unten ein. „Pfui Teufel“, knurrt Justin und säubert sich erst einmal. Auch gegen den widerlich säuerlichen Geruch tut er sofort etwas, während Lucy das Baby beruhigt. Sie zischt ihm zu, dass ein Sanpig ihn jetzt mit einer duftenden Wolke beglücken würde und Justin verzieht das Gesicht. „Das eben war auch nicht viel besser“, stellt er fest. Aber wie immer kommt es oft noch schlimmer, auch in diesem Fall trifft es zu. Die Geräusche, die von dem Imitat ausgehen, sind ziemlich eindeutig und der Gestank, der ihm in die Nase steigt, ist ebenfalls nicht misszuverstehen. Justin, der gerade erst den Zauberstab wieder weggesteckt hat, will gerade einen Schritt zurückweichen, um mit seiner Nase etwas Abstand zu bekommen, da drückt Lucy ihm das Ding einfach in den Arm. Sie ist der Meinung, er sei wieder dran, da sie das Imitat gerade erst vor dem sicheren Erstickungstod gerettet hat. Justin hält das Baby mit ausgestreckten Händen von sich weg und versucht möglichst flach zu atmen. Doch das fängt missmutig an, mit den Beinchen zu strampeln und ziemlich lautstark zu protestieren. Die Windel muss also runter, und zwar so schnell wie möglich. Justin drückt das Bündel kurzerhand Lucy wieder in den Arm. „Du hast ja schon gemerkt, ich hab nicht grad besonders viel Talent für so was. Vielleicht solltest du mir das erst mal zeigen, damit ich nicht wieder alles falsch mache.“

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17 Re: Entscheidung in Neuseeland am Sa Jun 27, 2009 1:45 pm

Lucy grinst Justin frech an, als sie ihm das Babyimitat in die Hände drückt, damit er die stinkende Windel wechseln kann. Auf ihre Bemerkung, dass dieses Ding auf unangemessene Behandlung nicht viel besser als ein Sanpig reagiere, meint er, dass der Gestank hier auch nicht viel besser sei und sie erwidert darauf trocken: „Tja, Vater werden ist wirklich ein Kinderspiel.“ Dann fällt ihr ein, dass ihr Leben im Begriffe ist, eine drastische Wendung zu nehmen und ihr die neuen Spielregeln überhaupt nicht gefallen. Sie fühlt sich nämlich wie ein Fahrgast, der soeben den letzen Moment zum Umsteigen verpasst hat und nun im Fahrenden Ritter hockt, der mit dem Schild „Dienstfahrt“ zu einem trostlosen Ort ins Nirgendwo braust. Und ein gottverdammter Fluch verhindert, dass sie diese rumpelnde Kiste noch rechtzeitig verslassen kann!

Lucys Grinsen gefriert, denn jetzt gibt Justin ihr das Stinkbündel auch noch zurück und erklärt, er habe nicht viel Talent für so was und sie solle ihm doch erst mal zeigen, wie das gehe, damit er nicht wieder alles falsch mache! Da ist es wieder, dieses Gefühl, dass an jenem Tag ein haarfeiner Riss zwischen ihnen entstanden ist. Irgendetwas treibt ganz langsam aber unerbittlich einen Keil dort hinein und Lucy ist schon lange nicht mehr sicher, wie lange sie dieser Belastung noch trotzen können, bevor ein finaler Schlag die beiden Hälften auseinander spaltet. Wären sie die Protagonisten in irgendeinem kitschigen Jugendroman, würde ihre Liebe an einer solchen Belastung natürlich nur wachsen. Ende gut, alles gut. Aber das hier ist die Realität!

Natürlich ist Justin genau so gefangen in dieser Realität wie sie selber. Und dass es ihm nicht passt, zeigt er immer wieder deutlich genug. Seine ständigen Weigerungen, wenn es ums Praktische geht, können also nur eines bedeuten: Er will so einen Balg noch weniger als Lucy und noch schlimmer, er liebt Lucy überhaupt nicht mehr. „Ja ich sehe es nur zu deutlich“, sagt sie giftig. „Du trägst wirklich wieder ausgesprochen schwer an der sogenannten Verantwortung. - Warum haust du nicht einfach ab?“ Wütend legt sie das inzwischen brüllende Ding auf den Tisch und zerrt die Windeln herunter.

Inzwischen glotzen nicht nur alle Kursteilnehmer auf das junge Pärchen, da steht auch noch die olle McPherson neben ihnen und redet auf sie ein. Lucy hat überhaupt keine Lust auf gutgemeinte Ratschläge. Sie schießt giftgrüne Blicke in die Runde, worauf die meisten Frauen erschrocken ihre Augen senken, als ob ihnen gerade die uralten Märchen und Warnungen in den Sinn gekommen wären, dass böse Blicke ihren Babys schaden könnten. Die McPherson erklärt den beiden sehr jungen werdenden Eltern gerade die Option, ein Baby nach der Geburt zur Adoption freizugeben. „Haben Sie diese Möglichkeit bereits in Erwägung gezogen? Ich habe nämlich eine lange Warteliste von kinderlosen Paaren, deren sehnlichster Wunsch es ist, ein Kind aufzuziehen.“

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18 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Jul 01, 2009 10:13 pm

Justin sieht Lucy ein wenig nachdenklich an, als sie trocken erklärt, dass Vater werden ein Kinderspiel sei. Natürlich versteht er genau, was sie damit meint, nämlich dass Vater sein eine ganz andere Sache ist. Als er ihr dann auch noch das Babyimitat mit den vollen Windeln zurückgibt, weil er sich lieber erst einmal ansehen möchte, wie man das überhaupt macht, gefriert ihr Lächeln und Justin erstarrt innerlich. Und als Lucy ihn angiftet, sie würde nur zu deutlich sehen, wie schwer er an der sogenannten Verantwortung trägt und fragt, warum er nicht einfach abhaut, ist ihm, als würde ihm ein Beutel mit Eiswürfeln mehrmals rechts und links um die Ohren gehauen. Wie betäubt steht er neben Lucy, die das brüllende Imitat auf den Tisch legt und deutlich wütend die Windeln herunterzerrt. Justin würde am liebsten im Erdboden versinken, und zwar nicht nur, weil sich ohne Windel die Gestankswolke noch viel intensiver ausbreitet, sondern auch deshalb, weil inzwischen alle zu ihnen hinüberschauen. Er kommt sich total unfähig vor und eindeutig auch überfordert, dass es so schwer sein würde, seinen Anteil zur Elternschaft zu leisten, hatte er sich wirklich nicht vorgestellt. Aber was ihm den größten Stich versetzt, ist Lucys Verhalten. Er versteht ihre wütende Reaktion zwar, aber nun kommt er sich zusätzlich auch noch überflüssig vor. Als Nanny McPherson schließlich zu ihnen kommt und fragt, ob sie schon über eine Adoption nachgedacht haben, schaut er ein wenig ratlos zwischen ihr und Lucy hin und her. Diese Option hatte Lucys Mum in der stundenlangen Diskussion nicht einmal erwähnt, für sie stand wohl von Anfang an fest, dass es in Wirklichkeit keine Option ist. Aber wäre es in Lucys und Justins Situation nicht wirklich das Beste? Es ist doch offensichtlich, dass dieses Kind ihnen nicht guttut. Und das Schlimme ist, es ist allein seine Schuld. Schließlich sagt er leise und zögernd zur McPherson: „Wir haben noch nicht darüber nachgedacht. Aber vielleicht sollten wir das doch einmal tun.“ Als die McPherson wieder weg ist, sagt er leise zu Lucy: „Ich weiß nicht, wie du das siehst, du bist ja selbst adoptiert und hast es immer gut gehabt bei deinen Adoptiveltern. Ich selbst war bei meinen leiblichen Eltern und es war schrecklich. Aber du trägst das Kind in deinem Bauch. Vielleicht möchtest du davon ja auch gar nichts wissen, es herzugeben. Da sollen ja auch Hormone mitspielen, die Muttergefühle erzeugen. Ich weiß, ich war dir bisher keine große Hilfe und du hast jedes Recht, sauer auf mich zu sein. Ich werde aber nicht abhauen, denn ich will dich nicht verlassen. Ich will dich nicht verlieren. Um keinen Preis. Ein Leben ohne dich kann und will ich mir nicht vorstellen. Ob ohne Kind oder mit Kind. Und ich werde mich zukünftig besser anstrengen, wenn die Entscheidung dabei bleibt, dass wir es behalten.“ Justin beschließt, dass er damit am besten auch gleich anfängt, und schiebt Lucy sanft von dem Babyimitat weg, das einen ziemlich verschmierten Hintern hat. Justin verzieht das Gesicht, greift dann aber kurzerhand nach dem Zauberstab und lässt alles kurzerhand verschwinden. Nachdem er noch für einen frischeren Duft gesorgt hat, greift er nach einer von den Windeln und legt sie über den Unterleib des Babys. Etwas ratlos überlegt er, wie er das Ding jetzt befestigen soll, entscheidet sich dann aber, doch mal bei den anderen zu gucken. Aha, drauflegen muss man das Baby und vorne zukleben. So schwer kann das doch nicht sein. Er hebt die Beinchen von dem Ding an, schiebt die Windel darunter und macht sich daran, nach den Klebestreifen zu suchen. Das Wesen, eindeutig männlich, strampelt freudig und bevor Justin die Windel zumachen kann, kommt ein ziemlich kräftiger Strahl aus seinem kleinen Pipimann hervorgeschossen, der äußerst zielsicher Lucy trifft. „Ups“, sagt Justin erschrocken und beeilt sich damit, das Imitat zu Ende zu wickeln. „Du liebe Güte, damit hab ich echt nicht gerechnet“, murmelt er zerknirscht.

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19 Re: Entscheidung in Neuseeland am Mi Jul 22, 2009 6:52 pm

Das Kind zur Adoption freigeben! Lucy kann Justin nur zustimmen, darüber müssen sie tatsächlich nachdenken. „Muttergefühle sind ganz bestimmt nicht angeboren, und wenn, dann fehlt mir dieses Gen - hundertprozentig“, beantwortet Lucy Justins Frage. „Und überhaupt: Ein Baby hätte einfach nur katastrophale Folgen für uns: Schlafentzug… Sexflaute… und wir würden uns öfter streiten, als so ein Dingsda in die Windeln macht!“ Während Lucy darüber nachdenkt, dass sie ja bereits jetzt schon massiv unter diesen „Folgen“ leiden, beobachtet sie, wie Justin dem Babyimitat, das die Prozedur gelassen über sich ergehen lässt, gekonnt den Hintern säubert. „Gratulation zum Mustersäugling“, sagt sie grinsend. „Du bist der real existierende Beweis dafür, dass Väter eigentlich die besseren Mütter sind!“ Der kleine Pseudosäugling strampelt geradezu fröhlich und dann passiert es: Ein eindrucksvoller Strahl, der in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu seiner winzigen Tatwaffe steht, trifft Lucy zielsicher mitten auf die Brust. „Ups“, sagt Justin erschrocken. Damit hätte er nicht gerechnet, fügt er bei und beeilt sich, zerknirscht auszusehen. „Na super“, seufzt Lucy, während sie sich wieder säubert. „Das spricht eindeutig für die Freigabe zur Adoption. Du bist doch auch dafür, oder?“ Während Justin den Übeltäter fertig verpackt, beendet die McPherson glücklicherweise die Kurseinheit. Viel länger würde Lucy diesen Schwachsinn auch nicht aushalten. „Dann holen wir uns am besten gleich die entsprechenden Formulare“, meint sie, als die glücklich turtelnden werdenden Elternpaare den Raum verlassen. „Das erspart uns dann ja gewiss auch die weiteren Kursnachmittage!“ Sie lächelt zufrieden.

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20 Re: Entscheidung in Neuseeland am So Jul 26, 2009 5:20 pm

Justin nickt ganz leicht und verständnisvoll, als Lucy erklärt, Muttergefühle seien nicht angeboren und ihr würde dieses Gen hundertprozentig fehlen. „Wenn du das sagst, wird es schon stimmen“, meint er. Als Lucy dann noch die katastrophalen Folgen aufzählt, die ein Baby mit sich bringt, wie Schlafentzug und Sexflaute, gepaart mit viel Streit, verzieht Justin leicht das Gesicht. „Das braucht wirklich niemand“, murmelt er, während er dem Babyimitat die Windeln wechselt. Als Lucy ihm zum Mustersäugling gratuliert und behauptet, er sei der real existierende Beweis, dass Väter die besseren Mütter sind, schnaubt er nur und erwidert spöttisch. „Klar, und mir wachsen sicher auch noch Brüste, mit denen ich das Teil dann auch stillen kann.“ Dass Justin weit davon entfernt ist, ein perfekter Vater zu sein, beweist sein Babyimitat, indem es Lucy im hohen Bogen anpinkelt. Sie ist natürlich wenig begeistert davon und meint, während sie sich säubert, dass das eindeutig zur Freigabe zur Adoption spricht. Als sie fragt, ob Justin auch dafür ist, nickt er. „Du hast recht, die Vorteile der Adoption sprechen für sich. Und wenn du ohnehin keine Muttergefühle entwickeln kannst, wäre das Ding bei uns sicher sehr unglücklich. Da ist es wohl für alle das Beste, wenn wir es in Hände geben, wo es geliebt wird. Es gibt nichts Schlimmeres, als ungeliebt aufzuwachsen.“ Justin ist erleichtert, als die McPherson das Ende der Stunde bekannt gibt. Lucy schlägt vor, gleich die entsprechenden Formulare zu besorgen, damit ihnen weitere Kurseinheiten erspart bleiben und Justin antwortet: „Gute Idee. Weißt du, wo man die kriegt?“

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21 Re: Entscheidung in Neuseeland am Di Okt 06, 2009 4:48 pm

„Großer Merlin“, flüstert Lucy entsetzt, als Justin erwähnt, dass man Säuglinge auch noch stillen muss. Daran hatte sie überhaupt noch nicht gedacht. „Hängebrüste! Am Schluss kann man sich die Dinger noch in die Socken stopfen.“ Und Justin, der sich vor unästhetischen Dingen bekanntlich ziemlich schnell ekelte, würde Lucy für den Rest ihres Lebens nicht mehr anfassen! „Los, nur schnell die Adoptionspapiere holen!“ Lucy hatte nämlich aus den Augenwinkeln heraus gesehen, dass die alte McPherson bereits mit den Pergamenten wedelte. „Ich hätte da eine ausgezeichnete Familie!“, begann sie mit ausholender Geste. Bevor die Alte auch nur anfangen konnte, die perfekte Familie in schillernden Farben auszumalen, hatte Lucy sich die Pergamente geschnappt und verließ mit Justin schnellstens das Kurslokal.

Was in den folgenden Wochen passierte, ist schnell erzählt und wird für Lucys und Justins Leben nachhaltige Wirkung haben…

Mum lachte fröhlich, als die beiden Kinder ihr die Absicht unterbreiteten, das Baby nach der Geburt zur Adoption freizugeben. „Gute Idee!“, sagte sie, und fing an die Papiere auszufüllen. Kathy Bing würde das Baby gleich selber adoptieren, es gehöre schließlich zur Familie!

Den gottverdammten Säuglingskurs mussten Justin und Lucy weiterhin besuchen, weil irgendeine Vertragsklausel die Teilnehmer magisch an die Erfüllung aller Aufgaben band. Die beiden jungen Leute bestanden zwar den Kurs, hatten aber die schlechteste Punktezahl, die jemals erzielt worden war. „Wie gut nur, dass das Baby nach der Geburt in kompetente Hände kommt“, kommentierte die McPherson.

Die restliche Zeit verbrachten Lucy und Justin damit, im Haus ein Zimmer für den Nachwuchs herzurichten. Dies ging nicht ohne ständiges Gekeife und am Ende waren beide mit den Nerven fix und fertig.

Die Hogwarts-Schule für Zauberei blieb geschlossen, weil in der Zaubererwelt der Krieg ausgebrochen war, Dumbledore tot und leider auch Snape im Kampf gefallen war. Lucy versuchte, im Alleingang das Apparieren zu erlernen, bis anhin ohne sichtbaren Erfolg, glücklicherweise aber auch ohne ernsthaften Schaden zu nehmen.

Lucy war ständig deprimiert - die gottverdammten Hormone - und ihr Bauch hatte die Form einer Wassermelone. Ansonsten war ihr von der Schwangerschaft nach wie vor nicht viel anzusehen.

Eines Nachmittags blätterte Lucy gelangweilt in einem uralten Fotoalbum. Es war ein Album über Schloss Kincaid, das ihr einst gehören würde, wenn sie ihren 17. Geburtstag erleben würde.



Hier beginnt ein neues Abenteuer von Lucy und Justin, ihr könnt weiterlesen unter „The Heir of Kincaid Castle“.

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